Mario Mewes
Mario Mewes

Aphasie – schlagartig sprachlos

 

Sprechen, verstehen, lesen, schreiben – eine Aphasie kann die gesamte Sprachfähigkeit beeinträchtigen. Hauptursache der Störung, die jedes Jahr Zentausende Deutsche trifft, sind Schlaganfälle

 

 

Dem Partner ein nettes Kompliment machen, im Meeting den Arbeitskollegen ein neues Konzept präsentieren, dem Nachwuchs eine Gute-Nacht-Geschichte erzählen oder einfach nur in der Kneipe ein Bier bestellen – welche elementare Bedeutung Sprache in unserem Leben hat, weiß sicherlich jeder.

Cornelius Werner erfährt das tagtäglich auf besonders eindrückliche Weise. Der Neurologe arbeitet als Oberarzt auf der Aphasiestation der Uniklinik RWTH Aachen. Aphasien sind erworbene Sprachstörungen, die durch Schädigungen und Erkrankungen des Gehirns verursacht werden. Der Begriff, der aus dem Griechischen kommt und "Sprachlosigkeit" bedeutet, führt allerdings ein wenig in die Irre, wie Werner erläutert: "Bei einer Aphasie sind alle sprachlichen Fähigkeiten betroffen, in unterschiedlicher Ausprägung", sagt er. "Beeinträchtigt ist also nicht nur das Sprechen, sondern auch das Sprachverständnis sowie das Lesen und Schreiben."

Schlaganfall als Hauptauslöser

In rund 80 Prozent der Fälle entsteht die Störung infolge eines Schlaganfalls. Nach Schätzungen entwickeln in Deutschland allein durch diese Erkrankung jedes Jahr zwischen 50.000 und 70.000 Menschen eine Aphasie. Weitere Ursachen sind Schädel-Hirn-Verletzungen, zumeist bedingt durch Unfälle, Hirntumoren, Entzündungen des Gehirns wie zum Beispiel Multiple Sklerose und Hirnschäden durch Sauerstoffmangel. Da die Gefahr eines Schlaganfalls mit der Zahl der Lebensjahre steigt, leiden zwar überwiegend Senioren an einer Aphasie, aber keineswegs ausschließlich.

 

Cornelius Werner behandelt auf der Spezialstation an der Aachener Uniklinik sowohl Teenager als auch weit über 80-Jährige. Im Durchschnitt sind seine Patienten um die 50. "Es trifft also häufig Menschen, die mitten im Berufsleben stehen", betont der Experte. Gerade dann können die Auswirkungen besonders schwerwiegend sein. Denn in der heutigen Dienstleistungsgesellschaft ist die Sprache für viele Berufstätige das wichtigste Werkzeug. "Selbst eine leichte Aphasie kann die Karriere zerstören und es den Erkrankten unmöglich machen, weiterhin in ihrem Beruf zu arbeiten", berichtet Werner.

Die zugrundeliegenden Hirnschäden befinden sich fast immer in der linken Hälfte des Großhirns. Dort liegen bei mehr als 90 Prozent der Menschen die Hirnbereiche, die für das Sprachvermögen zuständig sind. Wie ein Netz mit mehreren Knotenpunkten durchziehen die dazugehörigen Nervenzellen und -bahnen die Großhirnrinde. Auf welche Weise sich eine Aphasie äußert, hängt davon ab, welche Bereiche dieses Sprachnetzwerks geschädigt sind. Anhand der Symptomatik lassen sich verschiedene Formen unterscheiden.

Fließende Übergänge zwischen den Krankheitsformen

Das Merkmal der Broca-Aphasie ist eine agrammatische Sprache. Da die Betroffenen nicht mehr in der Lage sind, Sätze mit mehr als zwei, drei Worten zu bilden, entwickelt sich ein sogenannter Telegrammstil. "Statt ‚jetzt würde ich gerne einen Kaffee trinken‘ sagen sie nur noch ‚Kaffee trinken‘", erläutert Cornelius Werner. Hinzu kommen häufig Wortfindungsstörungen. Sie sind das Kennzeichen der amnestischen Aphasie, bei der Lesen und Schreiben in der Regel noch gut funktionieren und auch das Sprachverständnis weitgehend erhalten bleibt.

Das ist bei der Wernicke-Aphasie anders. Hier haben die Betroffenen Schwierigkeiten, Gesprochenes und Gelesenes vollständig zu verstehen. Beim Sprechen benutzen sie falsche Begriffe, Laute und eigene Wortschöpfungen (Neologismen), verdoppeln Satzbestandteile und bilden lange, verschachtelte Sätze, die keinen Sinn ergeben oder zumindest schwer verständlich sind. Weil es den Patienten nicht gelingt, ihre Gedanken sprachlich eindeutig mitzuteilen, reden sie häufig sehr viel. Bei der schwersten Form – der globalen Aphasie – beschränkt sich das Sprechen meist auf Silbenfolgen, einzelne Worte oder Floskeln wie "na ja" oder "oh Gott", die laufend wiederholt werden – ohne Bezug zum Kontext des Gesprächs. Mit anderen zu kommunizieren, ist dann mehr oder minder unmöglich.

Oft lässt sich die Störung gar nicht eindeutig zuordnen. "Die Symptome treten von Patient zu Patient in unterschiedlichen Mischungen und Ausprägungen auf", sagt Werner. "Beim einen ist das Verstehen schwerer beeinträchtigt, beim anderen die Grammatik." Welche Modalitäten der Sprache gestört sind und welche noch funktionieren, hat entscheidende Bedeutung für die Therapie.

Am Anfang steht deshalb bei jedem Aphasie-Patienten eine ausführliche Diagnostik. Der Aachener Neurologe vergleicht das mit dem Besuch beim Zahnarzt. Der schaut einerseits, wie tief das Loch im Zahn geht, andererseits klärt er, wieviel gesunde Zahnsubstanz übrig ist, die er bei der Behandlung nutzen kann. "Störungen und noch vorhandene Ressourcen zu identifizieren, erfordert einen gut ausgebildeten Logopäden, der über die nötige Erfahrung mit Aphasien verfügt", stellt Werner klar.

Besserung fast immer möglich

Bei der Therapie gilt: viel hilft viel. Auf der Aachener Aphasiestation werden die Patienten in der Regel für sieben Wochen aufgenommen. Pro Tag haben sie zwei Stunden Einzeltherapie plus zusätzlich eine Gruppentherapie. Die aktuellen Leitlinien schreiben vor, dass alle Betroffenen mindestens fünf bis zehn Stunden Sprachtherapie pro Woche bekommen sollten. Erst dann sei die Behandlung nachweislich wirksam. "Sein Sprachvermögen wiederzuerlangen oder zumindest Teile davon, braucht sehr viel Zeit und Mühe", sagt Cornelius Werner.

Entscheidend für die Prognose ist das Ausmaß der Zerstörung. Ein großer Schlaganfall hinterlässt weniger intaktes Hirngewebe, das die Schädigung kompensieren kann, als ein kleiner. Nach Schätzungen bildet sich die Aphasie bei rund der Hälfte der Betroffenen wieder so weit zurück, dass sie keine merkbaren Sprachprobleme mehr haben. Andersherum bedeutet dies, dass viele die Störung ein Leben lang behalten. Eine Besserung lässt sich durch intensive Therapie aber sehr oft erreichen, so Werner. "Und zwar nicht nur – wie früher angenommen – ausschließlich im ersten Jahr, sondern auch dann, wenn der Schlaganfall schon länger zurückliegt."

 

Aphasie durch Sprachtherapie behandeln

 

 

Aus heiterem Himmel trifft ein Schlaganfall sein Opfer. Eine feine Ader im Gehirn setzt sich zu, Hirnregionen werden nicht mehr versorgt und sterben ab. Werden dabei die Sprachzentren der linken Hirnhälfte beschädigt, so kann der Patient nicht mehr richtig sprechen: Aphasie lautet dann die Diagnose.

 

 

Die Angehörigen wissen oft nicht, wie sie mit dem Patienten umgehen sollen, bringen ihm Kinderbücher oder behandeln ihn wie einen geistig Behinderten. Eine furchtbare Erfahrung für beide Seiten. Und ein Missverständnis, denn die kognitive Leistungsfähigkeit ist im Allgemeinen nicht beeinträchtigt, sagt Prof. Dr. Ria De Bleser vom Institut für Patholinguistik der Universität Potsdam. Aphasie wird am häufigsten durch Schlaganfall verursacht, aber auch ein Hirn-Tumor kann die Sprachzentren beschädigen. Im Durchschnitt sind die Patienten, die zum Potsdamer Zentrum für angewandte Patholinguistik kommen, erst fünfzig Jahre alt.

 

Zwei Hauptzentren

 

Dass Sprache ihren Sitz in bestimmten Hirnregionen hat, weiß man schon seit gut hundert Jahren. Nach Obduktionen an verstorbenen Patienten mit besonders charakteristischen Sprachstörungen identifizierte man die beiden Hauptzentren in der linken Hirnhälfte: Das Broca-Areal, das offenbar für die Sprachproduktion zuständig ist, sowie die Wernicke-Region, in welcher die Bedeutung von Worten und Sätzen verarbeitet wird. Patienten mit Broca-Aphasie sprechen im so genannten Telegramm-Stil, aber ihre gestammelten Sätze sind sinnvoll und sie verstehen alles. Wernicke-Patienten reden dagegen wie ein Wasserfall, aber ihre Wörterflut hat oft wenig mit dem zu tun, was sie eigentlich ausdrücken möchten. Mit herkömmlichen Testverfahren teilt man die Patienten grob in vier Kategorien ein, doch in Wirklichkeit ist jeder Patient ein Sonderfall. Das jedenfalls meint De Bleser. An ihrem Institut wurde jetzt ein sehr viel genaueres Testmaterial entwickelt, das in Kürze bei Hogrefe erscheint. Der Lexikon- und Morphologie-Test, kurz LEMO, erlaubt eine detaillierte Einzelanalyse und produziert computerunterstützt eine Diagnose, so dass er auch in der Praxis niedergelassener Ärzte eingesetzt werden kann.

 

Schnelle Therapie

 

Schon kurz nach dem Schlaganfall sollten die ersten sprachlichen Übungen beginnen, und nach vier bis sechs Wochen kann die gezielte Therapie einsetzen. Gelegentlich wird eine Aphasie jedoch noch von einer Störung in der Planung der Sprechvorgänge überlagert, und das echte Bild der Aphasie kommt erst zum Vorschein, nachdem die Sprechapraxie gemildert wurde. Deshalb zeigen sich manche Verbesserungen erst nach einem Jahr.

Manche Patienten lassen Präpositionen und Konjugationen fort, sprechen in Inhaltswörtern und Zweiwort-Sätzen wie: „Kaffee getrunken, Schlafen gegangen, Fernseh gucken". Diese Patienten kommen nur mit eindeutigen Sätzen zurecht, wie: „Das Kind isst den Apfel." Ein solcher Satz verliert beim Umdrehen seinen Sinn, denn der Apfel wird nie das Kind aufessen können. Da die Patienten die Bedeutung von Inhaltswörtern verstehen, macht ihnen das keine Schwierigkeiten. Aber es gibt Sätze, die ohne Grammatik mehrdeutig werden, zum Beispiel: „Das Mädchen ärgert den Jungen." Die Patholinguisten arbeiten bei der Therapie mit Sätzen, wo beide Aktanden Subjekt und Objekt sein können. Oder auch mit passiven Sätzen wie: „Der Junge wird von dem Mädchen geärgert." Dabei lässt sich nicht durch die Reihenfolge erschließen, wer nun das Subjekt ist. „Da führen die kognitiven Strategien solcher Patienten nicht zum Ziel. Wir arbeiten mit dem Patienten und so lernt er wieder, wie er diese Sätze richtig deuten kann", erklärt De Bleser.

Testmaterial für den Totalausfall

Auch ein „Totalausfall" von Sprache kommt vor: Patienten, die an globaler Aphasie leiden, äußern sich nur noch mit immer derselben Silbe, zum Beispiel mit „dadadada". Allerdings betonen sie diese Silben ausgesprochen stark. Die Vermutung lag nahe, dass sie sich über eine Satzmelodie mitteilen möchten. Doch in einer Untersuchung an zehn Patienten mussten die Potsdamer Patholinguisten diese Hypothese fallen lassen, hinter den Betonungen verbargen sich stereotype Muster. Die manchmal kuriosen Sprachstörungen sind äußerst quälend für die Patienten und ihre Familien: Manche sagen immer wieder dieselben Satzfragmente wie „Kann die Liebe Sünde sein?" oder „Ave Maria". Sie wüssten genau, dass dies nicht angemessen sei und seien oft furchtbar frustriert, erklärt De Bleser. Was aber passiert bei einer Therapie im Gehirn? Mit der funktionalen Kernspintomografie lässt sich beispielsweise beobachten, dass bei Aphasie-Patienten im Verlauf der Therapie die Regionen um die Läsion herum stärker aktiviert werden. Das war eine Überraschung, denn bisher vermutete man, dass die rechte Hirnhälfte Funktionen übernehmen könnte, die in der linken Hälfte beschädigt wurden. „Wir glauben schon, dass die Therapie auch physische Auswirkungen hat", sagt De Bleser. Denn das Gehirn ist auch im Erwachsenenalter noch erstaunlich flexibel, und eine Sprachstörung nach einem Schlaganfall kann sich daher teilweise und manchmal sogar vollständig wieder zurückbilden.

 

Das Zentrum für angewandte Patholinguistik in Potsdam besteht seit sieben Jahren und ist seither sehr gut von den Patienten angenommen worden. Aufgebaut hat es die Linguistin Prof. Dr. Ria De Bleser, die damals aus Aachen an die Uni Potsdam berufen wurde und dort auch den bundesweit einmaligen Studiengang Patholinguistik konzipiert hat. Das Zentrum hat eine Krankenkassenzulassung, aber behandelt auch Patienten, bei denen die Kassen keine Therapie mehr bezahlen, weil der Schlaganfall schon länger zurückliegt.

 

Die Universität Potsdam beteiligt sich an einem „European Master of clinical Linguistics" mit Universitäten aus Holland, England und Norwegen. Dies ist ein einjähriges Postgraduiertenstudium, wobei sich die Studierenden ein Semester bei einer anderen Einrichtung aufhalten sollen. Die beteiligten Institutionen wollen so wissenschaftlichen Nachwuchs fördern, der bereits Übung mit internationaler Zusammenarbeit besitzt.



 

Aphasie - Ursachen und Therapie

 

Professor Walter Huber ist Leiter der Aachener Aphasiestation, die eine spezielle Behandlung für Patienten mit Sprachstörungen nach einem Schlaganfall anbietet. Hier wird in einer siebenwöchigen Therapie intensiv an der Sprache, aber auch an den Begleitstörungen gearbeitet. Planet Wissen hat mit Professor Huber darüber gesprochen, wie eine Aphasie entsteht und wie man sie behandeln kann.

 

Was genau ist eine Aphasie?

 

Walter Huber (W.H.): Eine Aphasie ist eine zentrale Sprachstörung, zentral deshalb, weil sie zurückzuführen ist auf eine Erkrankung des menschlichen Gehirns, des zentralen Nervensystems. Die häufigste Krankheitsursache hierfür ist der Schlaganfall, im erwachsenen Lebensalter ist der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache, pro Jahr gibt es in Deutschland 300.000 Menschen, die an einem Schlaganfall erkranken und bei etwa 40 Prozent der Patienten ist am Anfang eine solche Sprachstörung gegeben. Diese Sprachstörungen verändern sich glücklicherweise, verschwinden aber nicht völlig. Es gibt noch einige andere Krankheitsursachen, zum Beispiel Verletzungen des Gehirns nach Unfällen oder entzündliche Erkrankungen wie Tumore.

 

Was genau passiert im Gehirn, wenn die Sprache ver Man muss sich zunächst einmal klarmachen, dass der Mensch eigentlich zwei Gehirne hat, ein linkes Gehirn und ein rechtes Gehirn. Die beiden Hirnhälften sind symmetrisch angelegt, sehen ziemlich gleich aus, aber in den Funktionen sind sie nicht gleich. Die linke Hirnhälfte ist bei fast allen Rechtshändern und auch bei 60 Prozent der Linkshänder für die Sprache spezialisiert. Dort gibt es verschiedene Arterien, die diese Hirnhälfte mit Blut versorgen, für die Sprache ist die mittlere Hirnarterie am wichtigsten. Im gesamten Versorgungsgebiet der mittleren Hirnarterie sind komplizierte neuronale Netze, die die Sprachversorgung regeln.

Wenn es jetzt in diesen Arealen zum Verschluss einer Arterie kommt, wie zum Beispiel beim Schlaganfall, oder zum Platzen einer Arterie, wie bei einer Gehirnblutung, dann wird das umliegende Gewebe nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt, die Gehirnzellen sterben dann ab. Und die in der Kindheit erworbenen Fähigkeiten des Menschen, seine Muttersprache, gehen dadurch verloren.

Dass es nicht nur eine Form von Aphasie gibt, sondern verschiedene Formen der Sprachstörung, hängt damit zusammen, dass das ein größeres Gebiet ist. Sprache ist nicht nur eine Schublade, sondern sie besteht aus einem fein verästelten Netzwerk, das verschiedene Teilsysteme enthält. Wir haben ein "mentales Lexikon", wir verfügen über einen Wortschatz, einen mentalen Satzbau, wir wissen, wie wir Sätze konstruieren, wir wissen, wie die deutsche Grammatik funktioniert und wir haben die Lautstrukturen. Und diese Teilfunktionen sind in unterschiedlichen Netzen im Gehirn abgelegt. Je nachdem, wo Gehirnzellen absterben, kommt es dann zu unterschiedlichen Sprachstörungen.

 

Wie kommt es denn dazu, dass Patienten Begriffe oder Laute vertauschen, also "Frau" statt "Mutter" sagen oder "Bansane" statt "Banane"? Greifen die einfach in die falsche "Begriffs- oder Lautschublade"?

 

Das ist eine sehr wichtige Frage, die in der Forschung sehr lange kontrovers diskutiert worden ist. Was ganz sicher ist, dass bei den erworbenen Aphasien das Denken der Menschen vergleichsweise wenig, meist sogar gar nicht gestört ist. Das heißt, solche Vertauschungen wie "Frau" statt "Mutter" oder "Vater" statt "Mutter" sind nicht darauf zurückzuführen, dass die Menschen nicht mehr wissen, was die Dinge sind, ganz im Gegenteil, das wissen sie ganz genau. Die Wörter sind gewissermaßen Etiketten für das, was die Dinge darstellen in der Welt - und diese Bezeichnungen, die verwechselt man. Man verwechselt sozusagen die Namen der Dinge, wie das uns als Sprachgesunden eben auch manchmal passiert, wenn wir müde oder beschwipst Wie therapiert man eine Aphasie?

Ein Grundprinzip der logopädischen Behandlung ist, dass der Therapeut die Art der Störung, der Aphasie sehr genau erkennen muss. Er muss einmal die verschiedenen Modalitäten der Sprache unterscheiden, darunter versteht man das Sprechen, das Verstehen über das Hören, das Lesen und das Schreiben. All diese Modalitäten der Sprache sind betroffen, allerdings unterschiedlich stark und mit Besonderheiten. Außerdem unterscheidet man die sprachsystematischen Ebenen, die Sprachstruktur, den Wortschatz, die Lautstruktur, die Grammatik. Das muss der Sprachtherapeut ganz genau herausfinden und dann wird er, wenn sein Ziel ist, die Sprache möglichst wieder herzustellen, an den Symptomen, an den Störungsmerkmalen arbeiten. Er wird also sowas wie ein Sprachlernprogramm für den Aphasiker zusammenstellen.

 

Wie unterscheidet sich die neuropsychologische Therapiestation von der ambulanten logopädischen Therapie?

 

Wir haben hier im Aachener Universitätsklinikum eine Spezialstation, wo wir Patienten einladen, für sieben Wochen zu uns zu kommen und dann ein ganz intensives Training mitzumachen. Es gibt Einzelübungen mehrmals am Tag, Kleingruppen, Übungen am Computer, auch Übungen, die erfordern, dass man hinausgeht in den Alltag und dort das, was man gelernt hat, einsetzt. Dieses intensive Programm nennen wir die Aphasie-Spezialbehandlung.

Ein wichtiger Vorteil gegenüber der ambulanten Behandlung ist die Intensität, die Häufigkeit der Behandlung. Patienten in der ambulanten Therapie bekommen leider nur dreimal in der Woche 45 Minuten Sprachbehandlung, auf der Aphasiestation bekommen sie viermal am Tag 60 Minuten Behandlung. Der zweite Vorteil ist, dass wir ein interdisziplinäres Team von Spezialisten sind, dass wir diese Arbeit, herauszufinden, was denn genau gestört ist, um dann die zugrunde liegende Störung mit gezielten Übungen zu therapieren oder zu kompensieren, als Klinik mit Forschung im Hintergrund besser leisten können als eine ambulante Praxis.

 

Wie ist der Anteil, den das Team von Aphasie-Spezialisten leistet?

 

Das Team der Forscher arbeitet zusammen mit dem Team der Logopäden, es gibt einen regen Austausch und bei schwierigen Fällen würde ein Forscher mit hinzugezogen, um die Störung genau einzugrenzen und eine individuelle Therapie zu planen. Es ist aber so, dass die Logopäden selbst hoch spezialisiert sind für Aphasie, wie übrigens auch das Pflegeteam, das ein kommunikativ anregendes Umfeld schafft. Das ist nämlich ein weiteres Merkmal des Therapiekonzeptes: Wir betten die störungsspezifische Behandlung in ein kommunikatives Milieu ein. Wenn Sie ins Ausland fahren, ist es wichtig, dass Sie Vokabeln lernen, dass Sie Satzmuster lernen, aber Sie müssen auch lernen, das im Alltag anzuwenden, in der täglichen Kommunikation. Das ist auch die Idee auf der Aphasiestation. Die Patienten sind angeregt miteinander zu kommunizieren, in eine Malgruppe oder eine Literaturgruppe zu gehen, Ausflüge in die Stadt, ins Kino oder in ein Museum zu machen. Denn Menschen mit einer Aphasie sind nicht denkgestört, sie sind nicht in ihren Emotionen gestört, sie wissen, wie Menschen miteinander kommunizieren, nur die Technik der Sprache ist oft verheerend schwer gestört, bis hin zum Mutismus, zum Nicht-Sprechen.

 

Wie ist das, wenn zum Beispiel Lehrer, Richter, Beamte eine Sprachstörung entwickeln? Können diese Menschen zurück in ihren Beruf oder muss eine neue Lebensplanung erfolgen?

 

Man muss deutlich sagen, die Möglichkeiten für einen Menschen mit Sprachstörung in den Beruf zurückzugehen, sind eng und es bestehen kaum Chancen, das zu schaffen. Selbst wenn sich die Sprachstörung innerhalb mehrerer Monate zurückbildet und die Menschen die Sprache wieder sehr gut beherrschen, dann bleibt trotzdem ein großes Hindernis: der innere Stress.

Wenn Sie ins Ausland gehen und dort die Fremdsprache sprechen, sind Sie immer ein bisschen aufgeregt und kontrollieren immer Ihre Sprache, fragen sich, "Mache ich das jetzt richtig?" Sie können sich nicht ganz auf die Inhalte konzentrieren, auf Ihre Gefühle, Sie brauchen immer auch Kraft für die Sprache. Und dieses "immer Kraft brauchen für die Sprache" ist sowas Belastendes, dass in komplexen Berufen, wie in den genannten, es nur wenige Menschen schaffen, voll wieder in den Beruf zurückzugehen. Oft gelingt es auf Teilzeitbasis oder bei anderen sprachlichen Anforderungen. Insgesamt ist die Zahl der Menschen, die nach einer Sprachstörung in den Beruf zurückkehren, eher niedrig, weniger als 20 Prozent.



Schlaganfall - Rehabilitation mit Bobath

 

 

Seniorin, Hanteln

 

 

Nach einem Schlaganfall funktionieren bestimmte Bereiche des Gehirns nicht mehr, die für die Steuerung der Bewegung verantwortlich sind. Hinken, ein gelähmter Arm oder schiefe Gesichtszüge können die Folgen sein. Gesunde Gehirnteile können die Aufgaben jedoch übernehmen. Sie versuchen automatisch, die Defizite auszugleichen und Aufgaben der gelähmten Seite zu übernehmen - statt wie früher mit rechts, greift der Patient mit links zu.

 

Neu lernen ...

 

 

Das Bobath-Konzept setzt darauf, Bewegungen neu zu erlernen - wie ein Kind. Das Gehirn soll die infolge des Schlaganfalls "abgeschalteten" Körperzonen neu entdecken. Durch beharrliche Förderung und Stimulation lässt sich die gelähmte Körperpartie oft schrittweise reaktivieren. Das Gehirn organisiert sich um, und gesunde Hirnteile übernehmen nach und nach die Steuerung.

Wenn die Bobath-Therapie frühzeitig beginnt und konsequent verläuft, bestehen gute Chancen, dass sich die Bewegungsfähigkeit verbessert oder sogar ganz wiederherstellen lässt. Wie gut sich die motorischen Fähigkeiten durch die Rehabilitation verbessern lassen, hängt jedoch davon ab, wie stark das Gehirn durch den Schlaganfall geschädigt wurde. Das Bobath-Konzept ist eines der weltweit am häufigsten angewendeten Rehabilitations-Maßnahmen zur Behandlung von Halbseitenlähmungen nach Schlaganfall.

 

 

Üben, üben, üben ...

 

 

Therapeut und Patient trainieren während der Rehabilitation das Zusammenspiel von Sinnesorganen und Muskeln. Durch gezielte, äußere Reize erlernt der Patient nach einem Schlaganfall die natürlichen Haltungs- und Bewegungsmuster neu. Die erkrankte Körperseite wird bei allen Übungen voll einbezogen und unterstützt.

Das Prinzip ist: Nicht den Patienten füttern, sondern mit ihm gemeinsam den Löffel zum Munde führen. So wird für ihn der Erfolg der Übung direkt spür- und sichtbar. Auch Gleichgewichtsübungen und ein Training zur Rumpf- und Kopfkontrolle machen die durch den Hirninfarkt verloren gegangenen Bewegungsabläufe wieder verfügbar. Die ständige Wiederholung festigt die Verknüpfung neuer Nervenbahnen.

 

 

Klare Therapieziele ...

 

 

Die Methode entwickelten die Physiotherapeutin Berta Bobath und ihr Mann, der Neurologe Karl Bobath, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Ziele bei der Rehabilitation nach der Bobath-Methode sind:

  • Gelähmte und gesunde Körperseite gleichzeitig fördern
  • Normale Bewegungsabläufe im Alltag üben
  • Verkrampfte und abnorme Haltungs- und Bewegungsmuster vermeiden
  • Sensibilität stimulieren
  • Schmerzen und Muskelverkürzungen (Kontrakturen) verhindern
  • Selbständigkeit und Sicherheit im Alltag erhöhen

 

 

Therapie rund um die Uhr ...

 

 

Der Behandlungserfolg der Rehabilitation nach der Bobath-Methode hängt stark vom Grad der Gehirnschädigung ab. Außerdem davon, ob ein Schlaganfall, eine Hirnverletzung oder ein Tumor die Ursache ist. Die Rehabilitation nach einem Schlaganfall erfordert größte Konsequenz und Disziplin: Der Behandlungserfolg steht auf dem Spiel, wenn die Patienten ihre motorischen Defizite mit der gesunden Körperseite kompensieren - was zunächst einfacher erscheint. Dies verhindert, dass sich zwischen den Nerven neue Verknüpfungen bilden und sich die gelähmten Muskeln wieder bewegen lassen. Die Bobath-Methode beschränkt sich daher nicht auf Therapiesitzungen, sondern soll 24 Stunden am Tag zum Einsatz kommen.

Während der Rehabilitationsphase müssen alle Beteiligten - Ärzte, Pfleger und Angehörige - an einem Strang ziehen und sich eng miteinander abstimmen. Vor allem der Schlaganfall-Patient muss engagiert mitarbeiten und auch Zeiten spärlicherer Erfolge durchstehen. Die Chancen, die Lähmungen dann ohne lebenslange Spuren zu überwinden, sind gut.



 

 

 

BDH-Klinik Hessisch Oldendorf
Greitstraße 18–28
31840 Hessisch Oldendorf
Germany
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