Mario Mewes
Mario Mewes

Mein Zuhause

 

 

 

Mein Zuhause bedeutet mir sehr viel. Ich habe es nach meinen Wünschen und Vorstellungen gestaltet.

Es ist einfach schön eine Möglichkeit zu haben, Lernt meine Aktivitäten rund um mein Zuhause doch auf

den folgenden Seite etwas besser kennen.

 

 

 

 

Über die Killer-Krankheit,

vor der Millionen Deutsche Angst haben.

 

"Schlaganfall/Aphasie"

 

5 Tage lag er gelähmt im Bett - dann fand ihn der Notarzt.

Er hatte frei - und genau das wurde ihm zum Verhängnis.

Mario M.(41) passierte, wovor sich Millionen Singles fürchten:

Er verunglückte in seiner Wohnung.

Und keiner war da, der ihm helfen konnte.

 

 

Es war im Dezember 1999, als der Kraftfahrer (Volvo FH 460 Sattelschlepper) aus Gehrden sich auf ein langes Wochenende freute. “Ich hatte mir drei Tage freigekommen, wollte es mir gemütlich machen,” Als er sich abends ins Bett legte, “war alles noch ganz normal”.

 

Doch dann plagten ihn plötzlich fürchterliche Alpträume. “Und als ich erwachte, konnte ich mich nicht mehr bewegen.” Ein Schlaganfall fesselte ihn ans Bett! “Ich konnte nicht zur Toilette, hörte das Telefon, kam aber nicht ran.” Fünf Tage lag Mario M. nahezu bewegungslos. Mit allergrößter Mühe  kam er an die Flasche Mineralwasser auf seinem Nachttisch. “Meine Rettung, sonst wäre ich verdurstet.”

120 Stunden, in denen sich kein Mensch Sorgen um Mario M. machte. Er war Witwer (geschieden), seine Ex - Frau starb vor zehn Jahren an Magenkrebs. Seine beiden Söhne Myles Fabrice M. und Steve Maurice M. wohnten bei den Schwiegereltern, kamen nur am Wochenende. Freunde ? “Klar, aber die kontrollieren einen doch nicht jeden Tag.”

Nur der Chef machte sich Sorgen, als Mario M. nach seinen freien Tagen nicht wieder zur Arbeit erschien. Er ließ die Tür aufbrechen. Der Notarzt behandelte Mario M. noch im Schlafzimmer. Doch : In fünf Tagen stirbt durch die innere Blutung viel Gehirn. Und mit ihm die Fähigkeit zu reden, sich zu bewegen, zu denken, zu fühlen. “Mein Körper war wie ein Gefängnis. Ich konnte klar denken, aber nichts sagen. Die Hölle ……… “

 

Zwei Jahre Reha, aber Mario M. schaffte es gerade mal “ja” und “nein” zu sagen. “In der Zeit war ich sehr depressiv und dachte, dass man nie mehr hinbekommt. Heute hat er gelernt, SMS zu schreiben - “hat allerdings über ein Jahr gedauert” - sitzt am Computer und fährt Fahrrad.

In seiner Zweizimmerwohnung wohnt er noch immer. Allerdings : “Das Schlafzimmer ist heute eine Abstellkammer.” Zu furchtbar sind Mario M. Erinnerungen, an den Ort, an dem er mit dem Tod rang. “Ich kann da nicht mehr schlafen. Die Tür ist immer abgeschlossen.” So, wie er auch mit seinem Leben vor dem Schlaganfall abgeschlossen hat.

“Das war ein Schritt in meinem Leben. Heute habe ich vor nichts mehr Angst”, so Mario M.  “Ich hab’s doch geschafft.” Seine nächsten Ziele ? “Ich will noch mal auf den Bock ! “ Einen LKW (Sattelschlepper) meint er damit.

 

Drei Jahre Sprachlosigkeit

 

Am 5. Dezember 1999 erledigte Mario M. noch ein paar Einkäufe und ging dann in seine Wohnung. Er freute sich, dass er die nächsten drei Tage frei hatte. Der 41 Jahre alte Witwer (geschieden) lebte allein, denn seit dem Tod seiner Ex - Frau verbringen die Kinder die meiste Zeit bei den Großeltern. Später konnte er sich an die Einkäufe und was danach passierte nicht mehr klar erinnern : “Ich bin wohl irgendwie ins Bett gegangen. Und dann muss es passiert sein. Ich konnte mich kaum noch bewegen.”

Als er nach dem Urlaub nicht wieder im Geschäft auftauchte, verständigte sein Chef den Notarzt und die Polizei, die die Wohnungstür aufbrach. Fünf Tage waren  seit dem Schlaganfall vergangen, als Mario M. schließlich in seinem Bett gefunden wurde. Dass er überlebte, hat er einer Wasserflasche zu verdanken, die neben ihm stand und an die er mit größter Anstrengung herankam. Nach dem Krankenhaus folgte eine Rehabilitation in Hessisch Oldendorf. Hier blieb Mario M. 18 Monate. Er musste praktisch alles von Grund auf neu lernen. Gymnastik (Bobath), Ergotherapie : Welche Muskel muss man anspannen, um einen bestimmten Finger zu bewegen ??? Wie vermeide ich Verkrampfung ???

Wichtig war der zweimal täglich stattfindende Sprachunterricht. Mario M. litt an einer Global - Aphasie, er konnte gar nicht mehr sprechen. “Ich habe drei Jahre überhaupt nicht geredet und wusste selbst nicht, was in mir vorging.” Die Ärzte bereiteten ihn darauf vor, dass seine Genesung länger dauern wird :

“Sie werden zehn Jahre brauchen. Stellen Sie sich darauf ein.” Als er wieder einigermaßen gehen kann, raten sie ihm, für kürzere Wege die Treppe statt den Fahrstuhl zu benutzen. “Damals fand ich das grausam, aber im Nachhinein muss ich sagen, dass es mir sehr geholfen hat.”

Nach den Reha - Maßnahmen konnte sich Mario M. immer besser erinnern. Auch daran, wie es früher war, was er alles einmal konnte. Er sagte sich : “Ich will es schaffen, da will ich wieder hin.” Am meisten wünsche er sich, wieder Autofahren zu können. So machte er zu Hause die Kurse ambulant weiter und spürte bald deutliche Fortschritte.

”Während der Reha - Zeit war ich oft deprimiert, denn mein Zustand schien immer gleich zu bleiben.”

Einschränkungen spürte Mario M. bis heute. Die vornehmlich betroffene rechte Körperhälfte gehorcht immer noch nicht richtig, besonders den Gebrauch der rechten Hand umgeht er gerne. Zum Autofahren reicht es noch nicht, aber er ist viel mit dem Fahrrad unterwegs.

 

Die Zuversicht überwiegt

 

Mit besonderen Stolz erfüllt ihm die Gründung einer eigenen Selbsthilfegruppe für Menschen, die nach einem Schlaganfall an einer Aphasie leiden. Diese besitzt sogar eine eigene HOMEPAGE , obwohl Mario M. erst nach seinem Schlaganfall richtig mit Computer und Internet umgehen lernte. Manchmal schummelt er ein wenig, indem er die Maus mit der linken Hand bedient, statt die rechte weiter zu trainieren. Und dafür fixiert er schon mal die linke Hand; dann muss er alles mit der rechten erledigen. “Die Ärzte meinen heute, ich hätte schon eine Menge erreicht. Ich will aber noch mehr schaffen. Ich bin sehr zuversichtlich.”

 

 

Chefarzt der Neurologischen Klinik

Hildesheimer Strasse 158

30880 Laatzen

 

Die Neurologische Klinik umfasst 70 Betten mit Neurophyiologie und Neuroradiologie, davon 4 Betten auf einer speziellen Schlaganfallbehandlungsstation (Stroke Unit). In dem Jahr 2003 erhielt die Stroke Unit eine Zertifizierung der Stiftung Deutsche Schlaganfall und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Zum ärztlichen Team gehören neben dem Chefarzt und vier Oberärzten, zehn weitere Ärzte, überwiegend in Weiterbildung. Das Fachgebiet Neurologie umfasst Diagnostik und Therapie von organischen Erkrankungen des Gehirns, des Rückenmarks, des peripheren Nervensystems und der Muskeln. Schwerpunkte der Abteilung bilden Diagnostik und Behandlung von Schlaganfällen, Entzündungen des Nerven - systems wie z.B. Hirnhautentzündungen, Multiple Sklerose, Hirntumoren, die Parkinson-Erkrankung, Epilepsie und Bandscheibenvorfälle, Zustände nach Hirnverletzungen. Wenn Sie als Patient mit einer neurologischen Erkrankung in unserem Krankenhaus Hilfe suchen, werden Sie zunächst ausführlich ärztlich befragt und untersucht. Dann wird mit Ihnen besprochen, welche Ursachen der Erkrankung zugrunde liegen können und welche Untersuchungen zunächst erforderlich sind, sowie welche Behandlung erfolgen soll. Zur Diagnosestellung stehen alle modernen Untersuchungsverfahren zur Verfügung wie z.B. die Computer- und Kernspintomographie von Kopf und Wirbelsäule, die Registrierung der “Hirnströme” (Elektroenzephalographie), Messung der Nervenleitung (somatosensorische und motorische evozierte Potentiale, Elektroneurographie), die elektrische Muskeluntersuchung (Elektromyographie), die Prüfung der Durchblutung des Gehirnes mit Doppler- und Duplexsonographie der Hals und Hirnschlagadern, Röntgenuntersuchung der hirnversorgenden Gefäße (DSA, Angiographie), differenzierte Untersuchung des Liquors (“Nervenwasser”). Die Behandlung von Patienten mit Hirndurchblutungsstörungen erfolgt in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit unserer Kardiologischen Abteilung.

Es werden umfassend die vielfältigen Ursachen eines Schlaganfalls abgeklärt und die spezifische Behandlung und Vorbeugung so frühzeitig wie möglich eingeleitet. Auf der Stroke Unit werden an frischem Schlaganfall Erkrankte mit Hilfe eines modernen Monitorsystems überwacht. Es werden Daten wie Blutdruck, Puls, Atmung, EKG etc. an die Arbeitsplätze von Pflegepersonal und Ärzten übertragen, so dass bei jeder Auffälligkeit sofort reagiert werden kann. Bei Patienten, die zeitnah nach Auftreten der Symptome in der Klinik eintreffen, wird immer die Möglichkeit einer Thrombolysebehandlung geprüft, bei welcher versucht wird, das verursachende Blutgerinnsel medikamentös aufzulösen. Im Rahmen einer umfassenden Behandlung unserer Patienten legen wir neben der qualifizierten pflegerischen und ärztlichen Betreuung besonderen Wert auf eine intensive krankengymnastische Therapie durch unsere für neurologische Krankheitsbilder besonders geschulten Physiotherapeuten sowie erforderlichenfalls eine ergotherapeutische und sprachtherapeutische Frühbehandlung. Wenn eine Operation am Nervensystem erforderlich wird, arbeiten wir eng mit den drei Neurochirurgischen Kliniken in Hannover zusammen. Über eine Videokonferenzanlage können wir die von uns erstellten CT und Röntgenbilder z.B. bei Notfällen direkt in diese Kliniken übertragen und mit den dortigen Kollegen über die Notwendigkeit einer Operation beraten. Sollte eine Weiterbehandlung in einer Rehabilitationsklinik erforderlich sein, leiten wir diese in Zusammenarbeit mit unserem Krankenhaussozialdienst ein.

 

Stroke Unit - Einheit

 

Bei Patienten mit Schlaganfällen ist die Erstversorgung entscheidend.

 

1999 wurde am Agnes - Karll - Krankenhaus eine spezielle Schlaganfall - Behandlungseinheit (= “Stroke Unit”) in Betrieb genommen.

Sie bietet die Möglichkeit einer sofortigen Schlaganfall-spezifischen Diagnostik und Therapie. Alle modernen diagnostischen Verfahren stehen hier zur Verfügung, von der Elektroenzephalographie (EEG) über die Ultraschalldiagnostik der hirnzuführenden Arterien bis hin zur Computertomographie oder Substraktionsangiopraphie.

Eine vorübergehende notwendige intensivmedizinische Betreuung Schwerkranker erfolgt auf einer der Intensivstationen des Hauses. Für neurochirurgisch Operation werden die Patientinnen in eine der neurochirurgischen Kliniken in Hannover verlegt.

Zurück zur Sprache

 

Ich lernte Herr Mario M. im Jahre 2001 als Patienten meiner sprachtherapeutischen Praxis kennen. Trotz weniger Worte, die ihm damals zur Verfügung standen, entwickelten sich rasch interessante Gespräche, darüber, wie er die lange Zeit in der Reha-Klinik erlebt hat. Später war es ihm auch möglich, über das Erleben seines Schlaganfalls zu sprechen und über die langen Tage des Wartens auf Hilfe. Es war sehr fesselnd, das Erlebte von einem Betroffenen geschildert zu bekommen. In diesen Gesprächen entwickelte er die Idee, eine Selbsthilfegruppe aufzubauen. Diese besteht seit mittlerweile 3 Jahren. Heute organisiert er die Gruppe eigenständig und ist Ansprechpartner für andere Betroffene und Angehörige.

Zu Beginn der sprachtherapeutischen Behandlung war es Herrn Mario M. zunächst nur möglich, sich im Telegrammstil zu äußern. Seine Kommunikationsfähigkeit wuchs jedoch beständig und damit auch das Zutrauen in die eigene Fähigkeiten. Es gelang ihm, sich seinen Redeängsten in der Öffentlichkeit zu stellen und sie zu überwinden. War es zunächst die Brötchenbestellung beim Bäcker, die Schweißausbrüche hervorbrachte, so gelingt es ihm jetzt, frei vor der Selbsthilfegruppe zu sprechen. Auf einem langen Weg der Rehabilitation hat er seine Sprache neu entdeckt. Langsam holte er die Worte aus seinem Gedächtnis. Er hat zurück in sein Leben als Mann mit einem Schlaganfall gefunden und es ist ihm gelungen, seinen Alltag darauf abzustimmen und zu organisieren. Dieses Zurückfinden war immer von realistischen Zielsetzungen begleitet, sein Motto dabei : “Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg”. Diesen Weg geht er zielstrebig und schafft es, Hindernisse aus dem Weg zu räumen und eine positive Einstellung dem Leben gegenüber zu bewahren.

 

Verlauf der Sprachtherapie

 

Herr Mario M. erhält dreimal wöchentlich Sprachtherapie. Die Therapiesituation ist durch sein hohes Engagement und seine große Motivation positiv geprägt. Er hat großes Interesse daran, seine sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten zu erweitern.

Herr Mario M. hat noch große Schwierigkeiten, fremde Texte selbstständig zu lesen und zu verstehen. In der täglichen zwischenmenschlichen Kommunikation fällt es ihm oft schwer, Zusammenhänge zu erkennen. Hier bereiten ihm insbesondere längere und komplexere Wörter Probleme. Nach eigenen Aussagen möchte er seine Rechenfertigkeit verbessern.

Im Vordergrund der Therapie steht momentan die Erarbeitung fremder Texte. Gegenwärtig wird ein Ratgeber zum Thema Aphasie in der Therapie durchgearbeitet. Für den weiteren Therapieverlauf sind zusätzlich In-Vivo-Übungen geplant.

Zur Verbesserung des Textverständnisses und der Kommunikationsfähigkeit ist eine Fortführung der Therapie sinnvoll.

www.sprachtherapie-gehrden.de

 

 

Ergotherapie : 1. Teil

 

Am 09.01.2002 kam Mario M. in die Ergotherapie des Reha Zentrum Gehrden, gleichzeitig er dort Krankengymnastik (Bobath). Von Beginn an lehnte er eine neuropsychologische Untersuchung ab mit der Begründung, das hätte er jetzt genug hinter sich. (Gemeint war der Aufenthalt in Hessisch Oldendorf). Als konkretes Ziel hatte er, zunächst wieder Auto fahren zu können. Dies schien aufgrund der überschaubaren motorischen Restdefizite und seiner beruflichen Vorgeschichte (Kraftfahrer) realistisch. Also wurde in Zusammenarbeit mit meinem damaligen Kollegen Clemens Michael Mäder von der Physiotherapie ein Programm aufgelegt das vor allem auf die Kräftigung und Automatisierung, sowie Verbesserung der Reaktionsgeschwindigkeit abzielte. Schon bald erwiesen sich die nicht näher untersuchten neuropsychologischen Defizite als limitierender Faktor bei der Wiederherstellung von Bewegungskontrolle. Es gelang nur ungenügend, während der Therapie erarbeitete Bewegungsabläufe in das Alltagshandeln zu transferieren. So wurde aus dem Ziel Auto fahren das Fahrrad fahren, was bis heute ein entscheidender Faktor für Seine Mobilität und Unabhängigkeit ist. Im Mai 2003 überraschte uns Mario M. mit der Idee, eine Selbsthilfegruppe gründen zu wollen. Obwohl er aufgrund von Problemen des Textverständnisses immer wieder Hilfestellung bis zum heutigen Tag benötigt, hat Mario M. es mit Ausdauer und Einsatzbereitschaft geschafft diese Gruppe zu gründen und bis zum heutigen Tag mitzugestalten. Für seine Zukunft hoffe ich, dass es ihm gelingt Ziele zu finden, die über die Beschäftigung mit dem Thema Krankheit hinausgehen. Dazu würde Mario M. wahrscheinlich sagen :

“Das kommt schon noch” !!!

 

Ergotherapie : 2. Teil

 

Lernen und Gedächtnis

Verglichen mit dem ein Jahr zurückliegenden Ergebnissen ist eine deutliche Steigerung zu erkennen, Hauptprobleme bleiben die Speicherung und Verarbeitung von komplexen Inhalten. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, neu zu lernende Inhalte wie z.B. Umgang mit dem PC in sehr kleine Einheiten aufzuteilen und dem jeweiligen Leistungsstand entsprechend zu adaptieren. Von normalen Kursen oder Lernprogrammen kann Mario M. nicht profitieren. In Alltagssituationen wie z.B. Einkaufen ist er zusätzlich durch die aphasische Störung, die sich nicht immer von den amnestischen Defiziten trennen lässt, beeinträchtigt. Die Bearbeitung dieses Problems mittels einer alltagsorientierten Therapie wurde zunächst hintenangestellt, da Mario M. Hauptziel der eigenständige Umgang mit dem PC war. Ausgehend von Mario M. Wunsch, wurde ein eher kognitives Training am PC verbunden mit dem bewussten Gebrauch der stärker betroffenen Hand. Dabei zeigen sich relativ rasch deutliche Ermüdungs- und Verkrampfungs- tendenzen, die meines Erachtens ihre Ursache im ständigen erlernten Nichtgebrauch der rechten Hand haben. Ein rein funktionelles Üben hat daher für Mario M. wenig Sinn, wenn es nicht mit subjektiv als sinnvoll erlebten Alltagsaktivitäten verknüpft ist. Mario M. benutzte in der häuslichen Situation ausschließlich die linke Hand für die Bedienung von Tastatur und Maus. In der Therapiesituation automatisierte sich zusehends der Gebrauch der rechten Hand. Gleichzeitig findet Mario M. sich besser in den Anwendungsprogrammen zurecht, was einen hohen Stellenwert für ihn besitzt, da er so seiner Tätigkeit in der Schlaganfall-Selbsthilfegruppe-Gehrden/Wennigsen besser nachkommen kann.

  e-mail.: t.sieker@gmx.de

 

Praxis für Ergotherapie Thomas Sieker in Wennigsen

 

 

 

 

Situationsbericht über die Betreuung des Herr Mario M.

 

Vermerk:

 

 

Herr Mario M. bat mich um eine Darstellung der Betreuung aus meiner Sicht vor dem Hintergrund seines von ihm selbst erfassten und niedergeschriebenen Erfahrungen und dem Umgang mit seiner Krankheit.

Nachstehend wird dazu ausgeführt:

 

Von der zuständigen Betreuungsstelle des seinerzeitigen Landkreises Hannover wurde ich mit der Betreuung des Herrn Mario M. beauftragt. Dieser befand sich derzeit stationär im AKK - Laatzen nachdem er von einem Schlaganfall betroffen war. Der erste Kontakt zu dem Betreuten war für mich erschütternd, zumal es sich um einen relativ jungen Mann, der sich in einem völlig gebrochenen Zustand sowohl physisch als auch psychisch darstellte, handelte. Eine Kommunikation war infolge einer möglicherweise durch das Ereignis ausgelösten Lethargie des Betroffenen nur schwer herzustellen und abschließend nicht möglich, so dass der Betreute zunächst, wie angetroffen zurückgelassen werden musste, ohne an erhoffte Informationen bezüglich seiner Person und seines Umfeldes und alle damit verbundenen Angelegenheiten zu gelangen. Diese für meine Arbeit bedeutungsvollen Erkenntnisse erlangte ich bei darauf folgenden Kontaktaufnahmen. Anlässlich mehrerer unmittelbar folgender Arztgespräche wurde die weitere Vorgehensweise in Bezug zu ergreifender Maßnahmen sowohl medizinischer Art, als auch die daran anschließend im Rehabilitationsbereich zwingend wahrzunehmende Therapie besprochen. Die Betreuung umfasste neben der Gesundheitsfürsorge noch folgende Rechtsgebiete : Vermögenssorge, Öffnen und Anhalten der Post, Mietangelegenheiten, Aufenthaltsbestimmung, Regelung von Behördenangeleinheiten. Damit ist mir der gesamte Rechtsbereich einer natürlichen Person im Sinne des BGB übertragen worden. Herr Mario M. ist nach der erfolgreichen Behandelung im AKK - Laatzen in eine Rheaklinik nach Hessisch Oldendorf zur Weiterbehandlung und letztendlich Wiedereingliederung verlegt worden, so dass unmittelbar im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt, die Rheamaßnahme folgte. Während dieser Maßnahme kümmerte ich mich um abstehende privaten Belange insbesondere um die zu erwartende Verrentung bei dem Versicherungsträger, um Mietangelegenheiten, finanziellen Forderungen Dritter, Kontoführung und Ausgleich sowie um Unterstützung im Sozialbereich bei dem örtlichen Träger. Gleichwohl wurde Kontakt zu den drei Kindern des Herrn Mario M. aufgenommen, um die Situation in der Vater befand, darzulegen. Darüber hinaus bestand Klärungsbedarf im Bezug auf Unterhaltsleistungen. Einige Angelegenheiten konnten zügig und mit Erfolg geregelt werden, andere erwiesen sich als schwierig und zogen sich in die Länge. Der Betreute wurde in unregelmäßigen Zeitabständen besucht und hinterließ anfänglich einen höchst unzufriedenen Eindruck, da er offensichtlich mit seinem Zustand und damit einhergehend der Besserung seiner Situation unzufrieden war. Auch in diesem Klinikum wurden Gespräche mit Ärzten und Therapeuten hinsichtlich der weiterführenden Maßnahmen abschließend geführt, wobei im nachhinein auszuführen ist, das diese als in die richtige Richtung führend gewertet werden können. Zwischenzeitlich wurde die EU-Rente, parallel mit der Feststellung und Einstufung der Schwerbehinderung mit einem Grad der Behinderung von 100 % beantragt und auch bewillig, so dass die soziale Schiene auf dieser Ebene zunächst abgesichert war. Nachdem Herr Mario M. aus dem Klinikum entlassen wurde, bezog er seine Wohnung in Gehrden. Die neue Situation war gewöhnungsbedürftig, so dass er kurz darauf bereits um Beschäftigung nachsuchte. Eine Aufgabe fand er in der ehrenamtlichen Tätigkeit für verschiedene soziale Einrichtungen und Träger. Darüber hinaus nahm er regelmäßig an Rehabilitationsmaßnahmen teil und zwar sowohl ambulant als auch stationär wiederum in Hessisch Oldendorf. Die Zeit der häuslichen Privatsphäre wurde durch regelmäßige Kontakte und darüber hinaus auch bei Bedarf zu dem Betreuten geprägt und begleitet. Dabei stand intuitiv die Entwicklung des Betreuten zur Selbstständigkeit für alle Belage der täglichen Alltagsgeschäfte im Vordergrund. Exemplarisch wurde im Finanzbereich ein Unterkonto zum Girokonto eingerichtet auf das regelmäßig ein fester Geldbetrag überwiesen wurde von dem der Betreute vereinbarungsgemäß seinen Lebensunterhalt bestreiten sollte und über das er frei verfügen konnte. Die Maßnahme war ein Erfolg, sodass heute die Souveränität über das Girokonto wieder hergestellt ist ohne dass es zu Unregelmäßigkeiten kommt. Herr Mario M. nimmt zwischenzeitlich auch am Rechts- und Geschäftsverkehr teil, wobei es ab und an noch hark und der Hilfestellung des Betreuers bedarf. Weiter hat sich der Betreute einen Computer zugelegt an dem er sehr zielorientiert und mit Erfolg auch erfolgreich arbeitet. Das Verhältnis im zwischenmenschlichen Bereich, das zu Teil auch von atmosphärischen Störungen belastet war, (der Betreute konnte die Verhaltensweise und die zum Teil getroffenen Entscheidungen rechtlich und tatsächlich nicht einordnen und fühlte sich von daher mitunter ungerecht behandelt oder vertreten) hat sich dahingehend gewandelt, dass unbedingtes Vertrauen, gestützt auf einer partnerschaftlichen Ebene, gelebt und praktiziert wird. Die Arbeit stellt sich spannungsfrei in einer für beide Seiten angenehmen Atmosphäre dar und wird erfolgreich geleistet. Die Betreuung wurde zwischenzeitlich zweimal verlängert und stellt sich nun in abgewandelter Form hinsichtlich der zugewiesenen Rechtsbereiche dar. Der Betreute ist heute in der Lage weitestgehend selbstständig zu leben und zu handeln. Gleichwohl sind in einigen Bereichen noch Defizite vorhanden, so dass die Wahrnehmung der Aufgaben, etwa im Bereich von Behördenangelegenheiten, weiterhin von mir unterstützt wird.

Fazit:

 

Herr Mario M. ist nach seiner schweren Erkrankung unglaublich gut wiederhergestellt, was möglicherweise auch seinem eisernen Willen zur Rehabilitation zuzuschreiben ist. Die Betreuung hat sich insgesamt als sehr umfangreich zeitaufwendig und zum Teil auch schwierig dargestellt, ist aber letztendlich positiv verlaufen, so dass zu konstatieren ist, dass die Institution eines Betreuers in diesem Einzelfall als unabdingbar und sinnvoll anzusehen ist. Ich wünsche dem Herrn Mario M. alles Gute für sein weiteres Leben, insbesondere größtmöglichen Erfolg bei der gesundheitlichen Entwicklung, verknüpft mit der Hoffnung, möglichst zeitnah, einen völlig wieder hergestellten und autark handelten Menschen vorzufinden.

gez. Jörg Meyer (Betreuer)

E-Mail : e.j.meyer@t-online.de

 

 

Aphasie ?    Was ist das ?

 

Das Wort 'Aphasie' bedeutet soviel wie "Verlust der Sprache". Das beinhaltet, daß eine Aphasie immer nach vollzogenem Spracherwerb auftritt und somit nicht mit Sprachstörungen verwechselt werden darf, die durch angeborene Schädigungen auftreten, z.B. die 'Taubstummheit'. Ursache einer Aphasie ist immer eine Hirnschädigung (durch Schlaganfall, Unfall, Tumore). In den allermeisten Fällen ist beim Auftreten einer Aphasie die linke Gehirnhälfte geschädigt, da hier das Sprachzentrum bei den meisten Menschen liegt. Aphasie ist eine SPRACHstörung und unterscheidet sich damit von SPRECHstörungen, die die gleichen Ursachen haben. Solche Sprechstörungen sind die 'Dysarthrophonie' oder die Sprechapraxie.Hierbei ist der Sprechbewegungsapparat gestört, der Betroffene hat Schwierigkeiten, Wörter und Sätze richtig zu artikulieren. Das Verstehen, Lesen und Schreiben ist nicht gestört. Auch hat der Betroffene keine Schwierigkeiten die richtigen Wörter zu finden. Anders bei der APHASIE: hier ist der gesamte Bereich der Sprache mehr oder weniger betroffen. Dabei ist die Art der Sprachstörung bei fast jedem Betroffenen anders. Man kann aber im Groben verschiedene Gesetzmäßigkeiten erkennen. Je nachdem wie schwer die Sprachstörung ist und welche Bereiche am schwersten betroffen sind, unterscheiden POECK und Mitarbeiter (1987) folgende aphasische Syndrome:

 

Globale Aphasie

 

Die globale Aphasie ist die schwerste Form der Aphasien, da hier alle sprachlichen Bereiche stark gestört sind. Nach POECK (1987) zeigen sich folgende Leitsymptome (die Symptome, an denen sich dieses Störungsbild am deutlichsten festmachen läßt):

 

Im akuten Stadium machen Menschen mit globaler Aphasie kaum einen Versuch spontan kommunikativen Kontakt zur Umwelt aufzubauen. Die Sprachproduktion und das Sprachverständnis sind stark eingeschränkt.

Falls es überhaupt sprachliche Reaktionen gibt, sind diese durch starke Sprechanstrengung und schlechte Artikulation kaum verständlich. Häufig kommt es auch zu 'Sprachautomatismen', d.h. bestimmte Floskeln (z.B. "eins,eins,eins..." oder "genau so, genau so") werden unabhängig von der Situation immer wieder gebraucht.

Bei vielen Menschen mit globaler Aphasie ist aber die Intonation, also der Sprechklang sehr gut erhalten. Sie ermöglicht es dem Betroffenen, trotz eingeschränkter Fähigkeit sich sprachlich zu äußern, eine kommunikative Absicht beim Gesprächspartner zu verdeutlichen und auszudrücken. So können Inhalte, wie Zustimmung, Ablehnung oder Fragen allein durch die Intonation, z.B. der Redefloskeln ausgedrückt werden.

 

Ein kurzes Beispiel für ein Gespräch zwischen Patient und Sprachtherapeut (aus LUTZ 1992 S. 41):

 

Herr G. war gebeten worden, ein Bild zu beschreiben, das einen Vater und mehrere Kinder im Wohnzimmer zeigte:

Herr G.: ...is Frau und Kinder...

Therapeut: Eine Frau? Eine Frau seh ich gar nicht...

Herr G.: Nee ... oh,j ja ... das ... äh ... i ... is alles ... so ... so der Frau ... äh ... sucht ...am ob tu ...sam ... dem ge Mann sucht ... nein, das ist ein Kinder, is .. äh .. Mann, nee?

Therapeut: Ja ... das ist ein Kind. "

Häufig, besonders bei schweren Sprachstörungen, besteht bei Angehörigen die Hoffnung, der Betroffene könne sich wenigstens über das Schreiben verständlich machen. Da aber Schrift- und Lautsprache in hohem Maße voneinander abhängig sind, kann dieses nur sehr eingeschränkt erfolgen.

 

Broca-Aphasie

 

Folgende sprachliche Leitsymptome sind für die Broca-Aphasie charakteristisch (nach POECK 1987):

 

Die Sprachproduktion bei Menschen mit Broca-Aphasie ist erheblich verlangsamt und mit erheblicher Sprechanstrengung und undeutlicher Artikulation verbunden, d.h. der Betroffene hat Schwierigkeiten seine Gedanken in sprachliche Form umzusetzen. Bei der 'klassischen' Broca-Aphasie ist die grammatische Struktur der Sätze ist auf einzelne kommunikativ wichtige Substantive, Verben und Adjektive (Inhaltswörter) reduziert. Man spricht hier von 'Telegrammstil'.

Häufig werden Wörter durch phonematische Paraphasien verändert, wobei einzelne Laute oder Silben ausgelassen, umgestellt oder entstellt werden (z.B. "Meksel" statt "Messer").

Das Sprachverständnis ist nur relativ gering gestört. Allerdings orientieren sich Menschen mit Broca-Aphasie häufig an den bedeutungstragenden Wörtern in einem Satz und bekommen Schwierigkeiten wenn der Sinn einer Äußerung von den Funktionswörtern abhängt. Eine Unterscheidung der Bedeutung folgender Sätze würde Ihnen schwer fallen (aus LUTZ 1992 S. 43): a) Die Mutter hat sich noch nicht gewaschen. b) Die Mutter hat sie noch nicht gewaschen.

Auch die Sprachverarbeitung ist häufig verlangsamt, so daß die Betroffenen beim (Zu)hören große Mühe haben, das Gesagte schnell genug aufzunehmen.

 

Hier ein Beispiel für ein Gespräch mit einem Menschen mit Broca-Aphasie (aus LUTZ S.43):

 

Therapeut: Konnten Sie gestern die Sonne genießen?

Frau N.: Ja ... Garten ... Sohn ... Schi ... toch ... äh ... Sohn und ... Schiebetochte ... Faul ... nein ... Faumen fülken ... nein ... Korb Faumen ... Garten ... ich Sonne sitzen, dann ... hause ... Kuchen backen ... Sohn gerne Faulmenchuchen ...

Das Schreiben ist bei Menschen mit Broca-Aphasie in ähnlicher Weise gestört, wie das Sprechen. Es kommt bei Sätzen zu Auslassungen von Wörtern und bei einzelnen Wörtern zu Entstellungen, die z.T. den Fehlern in der Lautsprache entsprechen. Häufig ist die Information, wie ein Wort geschrieben wird einfach nicht mehr ausreichend vorhanden.

 

Wernicke-Aphasie

Folgende Symptome sind charakteristisch für die Wernicke-Aphasie

(nach POECK, 1987):

 

Die Sprachmelodie der Spontansprache ist bei Menschen mit Wernicke-Aphasie normal, auch die Phrasenlänge und die Sprechgeschwindigkeit entsprechen der Normalsprache. Auffällig ist jedoch, daß die Rede durch viele phonematische Paraphasien ('Wortverdrehungen', z.B. Spille statt Spinne) und semantische Paraphasien ('Wortverwechslungen' z.B. Stuhl statt Tisch) entstellt ist. Es kommt zur Bildung von Neologismen (Wortneuschöpfungen) bis zur völligen Unverständlichkeit der Sprache (phonematischer Jargon). Der Satzbau ist bei der Wernicke-Aphasie stark gestört. Es kommt zu Satzabbrüchen, zu Verschränkungen von Sätzen, zu fehlerhaften Kombinationen und Stellungen von Wörtern und zur Verwendung falscher Endungsformen.

Auch das Sprachverständnis in der Unterhaltung ist erheblich gestört. Dabei merken die Betroffenen auch nicht, daß ihre eigene Sprachproduktio nicht richtig ist und können dann häufig nicht begreifen, warum ihr Gesprächspartner sie nicht versteht. Sie suchen dann die 'Schuld' eher beim Gesprächspartner als bei sich.

Im Gegensatz zu Menschen mit Broca-Aphasie haben Betroffene von Wernicke-Aphasie in der Regel also kein Störungsbewußtsein und keinen verminderten Sprachgebrauch. Man erlebt sie im Gegenteil häufig euphorisch und mit ungehemmten Rededrang (Logorrhoe), d.h. sie können keine kurzen Antworten geben, sondern produzieren einen ganzen Wortschwall.

 

Ein eindrucksvolles Beispiel für eine Unterhaltung mit einem Menschen mit Wernicke-Aphasie findet sich bei LUTZ 1992:

 

Th.: Da wo Sie wohnen, haben Sie da auch einen Garten ?

Pat.: Ha ah, das seh ich sofort hier

Th.: Ja, haben Sie da auch einen Garten? Da, wo Sie wohnen ?

Pat.: Ja, gäh äh ka ur ein geomer, ein teomer vin annern te eh

Th.: Ja ...

Pat.: Nech, also, mein schön kerger küksil im Sommer, jetzt um diese Zeit...

Th.: Ja ...

Pat.: Gehabt un so auch heute den bron denn ein ein für äh na et den oder oder für mich denn für - Gott, wie schwer ist das denn !

Th.: Ich kann Sie immer noch nicht gut verstehen, leider ! Ich möchte so gern, aber da kommen immer andere Wörter ...

Pat.: Ich weiß, aber aber ein mies da hab ich denn manches manches manches so gelies gehakkert ja, ach ja, sach ich da stehn für halle sarge was ich wußte ...

Die Schriftsprache ist in gleicher Weise gestört wie die Lautsprache. Es treten häufig Überproduktionen von Buchstaben und Buchstabenkombinationen auf.

 

Amnestische Aphasie

 

Die amnestische ist die leichteste Form der Aphasien. Folgende Leitsymptome sind charakteristisch für dieses Störungsbild

(nach POECK 1987):

 

Die Rede wird häufig durch Wortfindungsstörungen unterbrochen, wobei der Sprechfluß und die Prosodie (Tonhöhe, Betonung, Lautdauer) gut erhalten sind. Auch der Satzbau ist weiitgehend intakt. Haben die Betroffenen Wortfindungsstörungen, so kommt es zu Ersatzstrategien um dem Kommunikationspartner die Störung nicht bemerken zu lassen. Ersatzstrategien können sein:

Ersetzen der gesuchten Wörter durch ein Füllwort ("das Dings da")

Nennen von Oberbegriffen (z.B. Buch statt Notizbuch, Tier statt Hund)

Beschreibung von Gebrauch oder Eigenschaft (z.B. Gürtel = "zum die Hose zu halten", Bleistift = "zum Schreiben".

Es treten auch einige phonematische und semantische Paraphasien auf, wobei letztere meist aus dem engeren Bedeutungsumfeld des Zielwortes stammen (z.B. Löffel statt Messer). Insgesamt wirkt die Rede der Patienten mit amnestischer Aphasie relativ intakt, sie fällt jedoch durch ihren geringen Informationsgehalt auf. Das Sprachverständnis ist meist kaum gestört.

 

Ein Beispiel für eine amnestische Aphasie aus Lutz 1992. Der Patient soll das Bild eines Besens benennen:

 

Pat.: "Und jetzt wollen wir für Sauberkeit...äh, sa an der Sauberkeit denken und nehmen uns einen ... einen scho scho einen ... einen ...(11 Sek. Pause) ... was wollen wir wollen zu Hause oder im Geschäft wollen wir saubermachen und benutzen dazu einen Sch... einen ... einen ... (6 Sek. Pause) ... einen ... wischen und nach dem Wischen kommt das auf ... hoch tro ein trocken ein ... ja das ist ein Fehlei"

Typisch ist hier, daß der Betroffene versucht, sich selbst zu 'deblockieren, also versucht durch Hilfen, wie Satzanfänge, irgendwie auf das Wort zu kommen.

Die Schriftsprache ist ähnlich beeinträchtigt,wie das Sprechen. Es kommt also auch hier hauptsächlich zu Schwierigkeiten beim Benennen und somit zu einem geringeren Informationsgehalt des Geschriebenen.

 

 

 

 

Wichtig!!!      Die beschriebenen Syndrome zeigen Störungskombinationen, wie sie häufig zu beobachten sind. In der Praxis zeigt sich aber, daß viele 'Fälle' in einem oder mehreren Punkten von den typischen Symptomen abweichen. Daher ist immer eine individuelle Diagnoseerstellung und vor allem eine individuelle Therapieplanung nötig.

 

 

Schlaganfall - Aphasie

 

 Warum ?        Aufbau einer Selbsthilfegruppe    

 

Um den schweren Weg der plötzlich kam gemeinsam zu gehen

 

  1. Betroffene und Angehörige aus der Isolation heraus  und uns gegenseitig zurück ins gesellschaftliche Leben zu helfen
  2. Austausch von Erlebtem und Erfahrungen
  3. Hilfe von Betroffenen für Betroffene
  4. Gemeinsame Freizeitaktivitäten zu unternehmen
  5. Fachvorträge zu veranstalten um Informationen zu erhalten

 

Für wen ?

 

"Betroffene jeden Schweregrades und deren Angehörigen"

 

sowie Ärzte, Therapeuten der klinischen Berufe, Pflegepersonal und für alle Interessierten die sich beteiligen möchten

 

Initiator :              Mario Mewes

 (Schlaganfall, Hemiparese rechts, Aphasie)

  05108 - 64 37 15    ab : 19: 00 Uhr

Internet : www.mario-mewes.de 

 

     E-Mail : mewes.mario@web.de

 

 

Laatzen / Krankenhaus und Hessisch Oldendorf / Rehabilitationskrankenhaus

 

Nur 8 Wochen ist für einen gesunden Menschen eine kurze Zeit. Für mich war diese Zeit sehr langweil ich noch keine großen Erfolge erzielt habe. Um mich noch mehr zu motivieren kam ich nach Hessisch Oldendorf ins Neurologische Zentrum.

Die Neurologische Klinik Hessisch Oldendorf ist ein Rehabilitationskrankenhaus in der Trägerschaft des Bundesverbandes für Rehabilitation und Interessenvertretung Behinderter. Ein wichtiger Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Förderung der Wiedereingliederung Hirnbeschädigter in Gesellschaft und Beruf. Im Bereich der Ergotherapie werden ebenfalls funktionelle Übungen zum Aufbau der gestörten Motorik in den oberen und unteren Extremitäten sowie des Rumpfes durchgeführt. Ferner Therapie zur Besserung von Wachheit, Wahrnehmung, Ausdauer, Konzentration und Anbahnung der Gruppenfähigkeit. Die Logopädie behandelt die gestörte Mund.- und Schlundmotorik auch in Zusammenarbeit mit dem pflegerischen und ergotherpeutischen Bereich. Mit zunehmender Kooperation ist eine gezielte Diagnostik und Therapie der bestehenden Sprech.- und Sprachstörung möglich.

 

 

 

Wie erlebte ich diese Zeit. Dieses versuche ich IHNEN in meinen BUCH mit zuteilen um anderen Betroffenen Mut zu machen

 

Sprachtherapie/Logopädie

 

Lähmungen und sich nicht mehr richtig bewegen können, das gehört zu den schwerwiegenden Folgen eines Schlaganfalls. "Aber was viel schlimmer war, ich konnte nicht mehr sprechen. Ich konnte klar denken, aber über die Lippen kam nur unverständliches Zeug", berichtet der Schlaganfallpatient Uwe Grefe in seinem Buch " 3 + 4 = 8 - Vergraben und verschüttet sind meine Worte!", das im Steiner - Verlag erschienen ist.

 

Dieser Zustand bezeichnen Mediziner mit Aphasie. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie "Verlust der Sprache". Die Sprache zu verlieren ist genauso grausam wie eine Isolationshaft", beschreibt Altbundespräsident Roman Herzog in einem Grußwort die Folgen der Aphasie. "Sich nicht mehr mit eigenen Worten verständigen zu können, berührt die persönliche Würde. Nicht nur derjenige, der von dieser Sprachstörung betroffen ist, sondern auch Familienangehörge und Freunde stehen hilflos vor dieser Erkrankung".

 Aphasiker : Uwe Grefe      3 + 4 = 8 

         

"Der Aphasiker war auf diesem Schicksalsschlag nicht im geringsten vorbereitet", erklärt Aphasieexpertin Dr. Luise Lutz. "Er weiß nichts über Heilungsmöglichkeiten, und er muss diese quälende Bestandsaufnahme ohne Sprache durchstehen, ohne sich Rat holen zu können". Die Krankheit trifft den ganzen Bereich der Sprache. Nicht nur reden fällt schwer, sondern auch verstehen, lesen und schreiben. Uwe Grefe, der mit seinem Buch "3 + 4 = 8" seine Erfahrungen mit der Aphasie schilderte, weiß heute natürlich, dass dieses Ergebnis falsch ist. Doch vor einigen Jahren konnte er nicht einmal die einfachsten mathematischen Aufgaben lösen. Viele Patienten fällt es schwer, sich spontan zu äußern, wenn man sie anspricht. Manche sprechen nur Silben, die sie aneinander reihen. Andere reden sehr langsam und es gelingt ihnen nur mit Mühe, Wörter zu bilden. Einige finden nicht die passenden Worte. Manchmal sprechen Betroffene sogar flüssig, verwechseln jedoch Laute und Wörter. Sie meinten "rechts", sagen aber "links", vertauschen "ja" und "nein". Fehler in Satzbau und Grammatik treten sehr häufig auf. Es gibt Patienten, die sich immer wieder mit denselben Lauten und Worten äußern, ohne dies verhindern zu können.

 

Amnestische Aphasie   (Stand: 29. Januar 2009)

 

Die amnestische Aphasie (Sprachverlust) ist hauptsächlich durch Symptome gekennzeichnet, welche die Wortfindung betreffen. Diese Wortfindungsstörungen führen zu größeren Sprechpausen oder Satzabbrüchen im ansonsten fast normalen Redefluss. Häufig entwickeln die von dieser Form der Sprachstörung Betroffenen Strategien, die fehlenden Wörter durch Umschreibungen (zum Beispiel das Ding) zu ersetzen. Die Wortfindungsstörungen treten auch beim Schreiben auf.

Die der amnestischen Aphasie zugrunde liegende Hirnschädigung findet sich vorwiegend den unteren Schläfenlappen am Übergang zum Scheitellappen. Allerdings sind die Symptome einer amnestischen Aphasie nicht immer eindeutig einer umschriebenen Hirnregion zuzuordnen.

 

 

Aphasie w [von griech. aphasia = Sprachlosigkeit], Aphémie, Aphrasie, E aphasia, erworbene Sprachstörung (Sprache), die in verschiedenen Formen und aufgrund von verschiedenen Ursachen vorkommt und sich als Beeinträchtigung der Phonie, des Lexikons, der Syntax oder Semantik äußert und andere kognitive Funktionen intakt lassen kann ( siehe Tab. 1 ). In Deutschland werden jährlich ca. 25000 permanente Aphasien diagnostiziert, bei ungefähr gleich vielen Patienten ist die Aphasie nur vorübergehend oder bleibt schwach ausgeprägt. Im Gegensatz zur Dysarthrie, die auf einer Beeinträchtigung der Sprechmotorik beruht, wird Aphasie durch eine Schädigung des Gehirns verursacht. Abzugrenzen ist eine Aphasie auch von einer sensorischen Behinderung (z.B. Hörschädigung), einer geistigen Behinderung (Demenz, Verwirrtheit) oder psychisch-emotionalen Ursachen. Aphasie kann sich auf allen rezeptiven (Zuhören, Lesen) und expressiven (produktiven) Ebenen (Sprechen, Schreiben) des menschlichen Sprachvermögens zeigen, Blindenschrift und Gebärdensprache eingeschlossen. Eine zweite oder dritte Sprache, die nach der Muttersprache erworben wurde, ist gegenüber einer Läsion der sprachdominanten Hemisphäre anfälliger und häufig (aber nicht notwendig) stärker, mitunter sogar ausschließlich beeinträchtigt. Manchmal bleibt die Muttersprache verschont, selbst wenn sie Jahrzehnte lang nicht mehr verwendet wurde (Pitres-Regel). - Ursachen: Häufigste Ursache (ca. drei Viertel der Fälle) ist ein Schlaganfall; weitere Ursachen sind Hirnverletzungen, Tumoren, Encephalitis und Hirnabbauprozesse. Geschädigt wird das sogenannte Sprachzentrum, das sich aus verschiedenen Arealen zusammensetzt, die bei rund 90 Prozent der Menschen in der linken Großhirnrinde liegen. Rechtsseitige Läsionen können allerdings bei manchen Linkshändern (34%) und selten bei Rechtshändern (2,5%) ebenfalls eine Aphasie verursachen. Bei Frauen liegt die Läsion meist etwas weiter vorne als bei Männern. Die Areale des Sprachzentrums sind um die seitliche Hirnfurche (Fissura sylvii) angeordnet und umfassen die angrenzenden Hirnwindungen des Frontallappens, Scheitellappens und Hinterhauptlappens sowie den Insellappen und das unter diesen Rindenarealen liegende Marklager. Der vordere Abschnitt wird (vor allem in der älteren Literatur) als motorisches, der hintere als sensorisches Sprachzentrum bzw. als Broca-Areal und Wernicke-Areal bezeichnet (Brodmann-Areale 44 und 22). - Testbatterien für Aphasien (Aphasietests) sind z.B. der Aachener Aphasietest sowie Bostoner Aphasie Diagnosticum, Halstead-Wepman-Test, Minnesota-Test, Neurosensory Center Comprehensive Examination for Aphasia, Porch Index of Communicative Ability, Token-Test, Wepman-Jones-Sprachmodalitätentest, Western Aphasia Battery. - Die Klassifikation und Taxonomie der Aphasien ist schwierig und teilweise mehrdeutig, widersprüchlich, verwirrend und immer noch umstritten. Das hat historische Gründe und hängt davon ab, welche Diagnosekriterien (d.h. Testbatterien) verwendet werden und ob auch der (nicht immer hinreichend bekannte) Läsionsort berücksichtigt wird. Grundlegend ist die Unterscheidung zwischen sogenannten flüssigen und nichtflüssigen Aphasien. Bei den flüssigen Aphasien ist der Sprachfluß normal, es bestehen aber Störungen beim Hörverstehen und/oder bei der Wiederholung von Wörtern, Satzteilen oder Sätzen, die von anderen gesprochen werden. Bei den nichtflüssigen Aphasien kommt es zu Schwierigkeiten bei der Artikulation, wobei das Hörverständnis meist recht gut intakt bleibt. Als reine Aphasien werden selektive Beeinträchtigungen des Schreibens (Agraphie), Lesens (Alexie ohne Agraphie) und Worterkennens (Worttaubheit) zusammengefaßt. Bewährt und weitgehend durchgesetzt hat sich die Unterscheidung von vier Standardsyndromen der Aphasien: globale Aphasie, Wernicke-Aphasie, Broca-Aphasie und amnestische Aphasie ( siehe Tab. 2 ). Zu den Nicht-Standard-Aphasien (Sonderformen) zählen die Leitungsaphasie sowie transcorticale Aphasien, die wiederum abzugrenzen sind von modalitätsspezifischen Sprachstörungen wie Alexie mit und ohne Agraphie und rein sprechmotorischen Störungen (Sprechapraxie, Dysarthrie, Anarthrie). - Die Aphasiesyndrome können zuverlässig erst nach der Akutphase, d.h. vier bis sechs Wochen nach Eintritt der Hirnschädigung klassifiziert werden. Zunächst liegt meist Mutismus vor, der weitere Verlauf ist sehr unterschiedlich. Patienten, die vier Tage nach der Schädigung noch immer nicht sprachlich stimulierbar sind, haben sehr wahrscheinlich eine anhaltende globale Aphasie. Im späteren Verlauf kann es zu einem Syndromwandel kommen: Eine Broca-Aphasie entwickelt sich häufig aus einer globalen Aphasie, eine amnestische Aphasie aus einer Wernicke-Aphasie, seltener auch aus einer Broca-Aphasie, eine Anomie entsteht oft aus einer Broca- oder Leitungsaphasie. - Eine Aphasie wird häufig von anderen Ausfallserscheinungen begleitet, in 80% z.B. von einer Apraxie. Viele Aphasiker haben z.B. auch Schwierigkeiten im Umgang mit den Bedeutungen von Zeichen, Gesten und Symbolen (Asymbolie). Sie lassen wichtige Aspekte weg, wenn sie Gegenstände oder Zeichnungen abzeichnen sollen, und machen Fehler bei Zuordnungsaufgaben. Das könnte die Folge einer weitreichenden retrograden Amnesie des semantischen Gedächtnisses sein. Oft korreliert die Schwere nichtsprachlicher Begleitsymptome der Aphasie mit der Schwere der semantischen Sprachstörung. Allerdings sind viele kognitive Leistungen häufig nicht beeinträchtigt, auch wenn ihr Vorhandensein sich oft nicht mehr (bzw. nur in subtilen Tests) bemerkbar macht. Aphasiker sind also keine geistig Behinderten, auch wenn sie den gegenteiligen Anschein erwecken. - Therapie: Neben der Behandlung einer eventuell bestehenden Grunderkrankung hat sich vor allem eine logopädische Therapie bewährt, je nach Form der Aphasie unter Anwendung direkter syndromspezifischer oder direkter stimulierender Methoden, z.B. mit Deblockierung durch Verbindung von beeinträchtigten Leistungen mit intakten Leistungen sowie die Einübung von Umwegmethoden. Es gibt zahlreiche verschiedene theoretische Therapieansätze, die sich u.a. in der Gewichtung von didaktischen, behavioralen und stimulierenden Akzenten sowie in verschiedenen Deutungen der Aphasien unterscheiden.

 

Wichtig!!!

Die beschriebenen Syndrome zeigen Störungskombinationen, wie sie häufig zu beobachten sind. In der Praxis zeigt sich aber, daß viele 'Fälle' in einem oder mehreren Punkten von den typischen Symptomen abweichen. Daher ist immer eine individuelle Diagnoseerstellung und vor allem eine individuelle Therapieplanung nötig.

 

Fortsetzung  folgt  …… *Smile

 

 

 
Transkript des Interviews vom 14.06.2005

 
Mario Mewes als Befragter (im weiteren als „ M.M “ gekennzeichnet)

 

 

Jörg Mußmann als Interviewer (im weiteren als " J.M " gekennzeichnet)

Ursula Mandl als Interviewerin (im weiteren als " U.M " gekennzeichnet)

 

Dauer des Interviews: ca. 45 Minuten

 

Ort: Büro von Jörg Mußmann in den Räumlichkeiten der Universität Hannover des Fachbereichs Sonderpädagogin

 

 

JM:   „Vielen Dank dafür, dass du gekommen bist und für die Aufnahmen. Und vielleicht kannstdu dich erst mal vorstellen und erzählen .. von dir.“

MM: „Ja, ich heiße Mario Mewes, bin am 07.10.58 geboren und ... äh ... leite die Gruppe, schon drei Jahre und .... mh .. ja.“

 

JM:   „Welchen Beruf hast du ausgeübt?“

 

MM: „ Mh .. also gelernt habe ich Maschinenschlosser, Hubschraubermechaniker und LKW - Fahrer.“

 

JM:   „ Warst du mit der Arbeit so zufrieden?“

 

MM: „Mmh, ja“

 

JM:   „.. mit dem was du da gemacht hast? Wie lange hast du da gearbeitet?“

 

MM: „Fff .. ja bis zum .. bis ich äh .. nen Schlaganfall hatte.“

 

JM:   „Bis zum Schlaganfall. Und ähm in der Zeit, in der du dort gearbeitet hast ähm, denkst du, dass du die Anerkennung bekommen hast, für das, was du dort geleistet hast?“

 

MM: „Normal also .. nix besonderes. Ne.“

 

JM:   „Hättest du dir mehr gewünscht?!"

 

MM: „Nö. Ich war zufrieden.“

 

JM:   „Woran hast du das gemerkt? Also was, was war da, was dich zufrieden gemacht hat?“

 

MM: „Ja .. äh . das das is. Ich war zum Schluss als LKW-Fahrer tätig, habe meine Regelarbeitszeit gehabt, und .. lockeres Leben, ne so .. von morgens um sechs bis nachmittags um vier .. das .. der Rest war Freizeit.“

 

JM:   „Wie sah so dein Tagesablauf aus?“

 

MM: "Äh .. ja ... wie sah der aus? Mh .. ich bin nach hause gekommen, hab mich frisch gemacht, hab die Kinder geholt, ach... ja . Was so anlag, ne.“

 

UM:  „Wie viele Kinder hast du Mario?“

 

MM: „Zwei.“

 

UM:  „Mädchen, Junge? Wie alt?“

 

MM: „Jungen. Der erste ist 15, das ist Steve- Maurice. Und der zweite ist Myles- Fabrice, .. ist 12.“

 

JM:   „Mh, hast du engen Kontakt zu deiner Familie? Also zu den Familienmitgliedern und zu anderen?“

 

MM: „Äh (.) zu Anfang nicht, aber jetzt nach und nach wird das so langsam.“

 

JM:   „Also nach dem Schlaganfall hat sich das geändert?“

 

MM: „Ja, sehr geändert. Also ich habe drei Jahre überhaupt nicht gesprochen .. und wusste selbst nicht, was in mir vorging .. äh .. und dann die letzten zwei zweieinhalb Jahre sind so .. schematisch ganz nach oben gegangen .. also ich habe laut äh .. also jetzt bei 80 Prozent.“

 

JM:   „Vor deinem Schlaganfall, ähm .. hast du beruflich oder privat denn viel, warst du viel in Situationen, wo du reden musstest?“

 

MM: „Ja normal, ne. So ganz normal.“

 

JM:   „Hast du viel gelesen oder geschrieben?“

 

MM: „Ja ich habe gelesen , Bücher. Mhh .. ja ich kann jetzt aber nicht mehr lesen. Jetzt ist äh .. weil ich lese da maximal eine Seite und dann  muss ich erst mal überlegen, und wer war das, warum, weshalb, weswegen. Äh .. ich muss dann .. glaube ich jedenfalls, regelrecht rein drücken also jetzt äh ins Gehirn rein äh. Mh ja .. ja genau.“

 

JM:   „Hast du auch viel geschrieben?“

 

MM: „Geschrieben hab ich nicht, nein.“

 

JM:   „Briefe oder so was, Emails?“

 

MM: „Nee .. also .. Emails hatte ich .. äh .. damals noch gar nicht, ich hab das  erst die zwei Jahre hier Schlaganfall, da habe ich mir das erst zugelegt und .. ja...“

 

JM:   „Und körperlich vor dem Schlaganfall, ähm .. bist ein kräftiger Mann, hast du dich grundsätzlich so leistungsfähig gefühlt, kräftig?“

 

MM: „Ich habe meine Arbeit getan, und meinen Soll erfüllt, und ... äh .. was später dann dazu kam, ist die halbe Seite ist praktisch gelähmt. .. Und ich muss ganz ehrlich sagen, ich hab sie Gott sei dank wieder .. so .. ganz gut in .. Form gekriegt so. Irgendwie so .. ich weiß es  nicht.“

 

UM:  „Und wie ist es sportlich? Hast du in deiner Freizeit Sport getrieben?“

 

MM: "Ja ich habe Eishockey gespielt und .. habe geschwommen .. und so weiter .. und .., ja, äh .. damit war leider dann erst mal zu Ende. Aber ich .. mir schwebt es vor äh .. wieder da hin zu kommen.“

 

UM: „Kannst du kurz sagen, wie wichtig dir das war? Das Eishockey und das Schwimmen?“

 

MM: „ Äh .. ich ich denke vor meiner Zeit ist es egal was gewesen ist, ich denke lieber was jetzt wichtiger ist und .. äh ... ich denke auch nicht mehr so viel darauf, sondern ich denkemehr an die Zukunft.“

 

UM:  „ Wann genau war denn überhaupt der Schlaganfall?“

 

MM: „Der war am 05.12.1999.“

 

UM:  „Kannst dich gut dran erinnern, ne?“

 

MM: „Ja, da war äh fünf Tage lag ich da im Koma, oder was .. weiß nicht wie und dann kam die Polizei und der Notarzt und hat mich raus geholt.“

 

JM:   „Das war zu Hause?“

 

MM: „Zu hause bei mir, ja.“

 

JM:   „Deine Familie, deine Kinder, die waren nicht da?“

 

MM: „Nicht da. Meine zwei Jungs die waren schon bei Oma und Opa drüben in Northen.  Und ich äh (.) hatte noch drei Tage Urlaub, muss äh äh .. irgendwas erledigen, ich weiß es nicht. Ich habe zwar schon drüber gedacht nachzudenken, aber ich ich .. ich weiß nicht wie, ich hatte drei Tage Urlaub auf jeden Fall. Diese drei Tage konnte ich nicht nutzen, mhmh.. ja flach da, ne. Und dann habe ich, ich glaube am fünften Tag äh .. versucht an die Tür zu kommen. Ffh ja ich weiß nicht ob .. ich den nächsten Tag da auch immer noch gebraucht hab. Ich hatte kein Wasser, ich hatte gar nichts, ne also ich musste auf Toilette und äh . es blieb nichts anderes übrig wie da in die Ecke .. von der Bettkante runter und dann .. irgendwie musste das klappen.“

 

JM:   „Wenn du dich versuchst in diese Situation zurückzuversetzen, dich zu erinnern, kannst du beschreiben, wie du dich da gefühlt hast, kannst du das mit Worten beschreiben?“

 

MM: „Ne. Erstens, äh schreiben ist erst mal meine Schwäche .. und .. äh ... Sagen wir mal so ... zwei Monate vom Anfang weiß ich nicht genau, aber ich habe jetzt von denen Material gekriegt und kriege das so alles soso raus mit der Zeit, ne. Aber ich denke mal das dauert auch noch`n bischen.“

 

JM:   „Du warst dann in äh .. in einer Reha- Klinik, ne?“

 

MM: „Ja.“

 

JM:   „In dieser Zeit als du da warst, hast du da daran gedacht wieder in deinen Beruf zurückkehren zu können?“

 

MM: „Nee, habe ich also.. Ich denke ich habe das  ich gar nichts .. wie soll ich das sagen? Im Gehirn ist äh gleich null und äh .. stückchenweise nach vorne. Da kommt man so einer oder andere, da fällt mir noch, da war noch was und so weiter .. und das zieht sich leider lange Zeit hin.“

 

JM:   „Also das heißt du hast gar nicht darüber nachgedacht, andere Dinge waren wichtiger?“

 

MM: „Ffh .. nee nicht direkt, ne. Kurz vielleicht mal, da war doch irgendwas und dann war’s weg, ne.“

 

UM:  „Hast du denn da noch Kontakt zu deinen Arbeitskollegen gehabt? Haben die versucht dich zu besuchen, oder so?“

 

MM: „Äh mh .. Ich muss euch eine traurige Mitteilung machen, ich hatte überhaupt keinen Besuch. Ich war die ganze Zeit allein. Mein Vater war war einmal gekommen .. von Köln und .. dann war nix mehr. Ich hatte keine Freundin, ich hatte nur noch zwei Söhne und .. äh die waren in Laatzen , wo die acht Wochen waren, da waren die zwei mal da und danach in Hessisch Oldendorf waren se nicht mehr da.“

 

UM:  „Und wie hat das, äh wie hat sich das auf dich ausgewirkt?“

 

MM: „Wie ich eben schon sagte, das ist hier rein da raus. Also .. das ist kein  ne na ja also da ist Platz aber .. aber das alles so zu sortieren das ist schwierig. Das war im ersten Jahr, im zweiten  und dritten Jahr .. es ging so im dritten Jahr immer mehr, ich konnte mehr immer rein passen.“

 

UM:  „Und wenn du das jetzt so im Nachhinein beurteilen sollst? Wenn du jetzt weißt, du hast danach nur so wenig Besuch bekommen? Macht dich das vielleicht traurig oder hast du dir mehr gewünscht? War das in der Situation für dich o.K.?“

 

MM: „Für mich war das letzten Endes o.K. Aber .. im Nachhinein sage ich jetzt, äh es wäre äh schön wenn jemand da gewesen wäre. Ich habe die 18 Monate äh überstanden und ich kann’s auch ohne, ohne jemanden der mit hilft. Das geht auch.“

 

JM:   „In der Klinik, wie, kannst du dich erinnern, wie sah da so der Tagesablauf aus?“

 

MM: „Ja, das ist ... also das war Hessisch Oldendorf. Dann hatte ich morgens, irgendwann vormittags Sprachstunde, zweimal. Ergo .. dann .. Bobath und Krankengymnastik und das so den ganzen Teil versorgt und ähm .. es war .. äh Radfahren war das, mit dem und da musste man lernen da .. nicht nur mit einem, sondern mit beiden, der andere war festgebunden und das alles so, ne. Ja und dann in der Werkstatt war ich eine Stunde am Montag.“

 

JM:   „Und in dieser Zeit, wenn du dich mal erinnerst, ähm mit wem hattest du da am meisten Kontakt? Also mit wem hast du persönlich die meiste Zeit verbracht?“

 

MM: „Ja ich, ich weiß nicht wie die Leute heißen, aber das sind die 18 Monate, wenn man da lebt dann kriegt man das äh mit. Aber ich weiß nicht wie sie heißen, so ne. Weiß ich heute noch nicht.“

 

JM:   „Das waren Therapeuten?“

 

MM: „Therapeuten waren das und da war einer äh .. ich glaube Klages, äh der war da der am meisten bei mir war."

 

UM:  „Und hast du da auch ähm Kontakt zu nicht nur zu Therapeuten, sondern auch zu anderen Mitpatienten gehabt, die es da ja auch sicherlich in der Klinik gab?“

 

MM: „Weniger, weniger. Ich bin da früh ins Bett gegangen und .. ja rechtzeitig aufzustehen. Ich weiß nicht wie ja .. ist ein Rhythmus gewesen, ne. Jeden Tag das gleiche.“

 

UM:  „Aber auch viel Programm, ne. Ich meine zwei mal Sprachtherapie, die Ergo und die Werkstatt.“

 

MM: „Gott sei dank, sage ich da nur, jetzt. Also ich bereue es nicht das ich nicht da irgendwelche nicht mitgemacht hab.“

 

JM:   „Und wie war das mit deinem Körper in dieser Zeit? Konntest du dich sozusagen, konntest du dich auf den verlassen in dieser Zeit? Wie war das?“

 

MM: „Ffh verlassen, das ist gut. Wenn ich das mal wüsste. Ähm ich hab ihm eigentlich vertraut, aber immens zugenommen die ganze Zeit äh ,weil da morgens, mittags, abends gab`s immer  die herrlichen Speisen und so weiter. Ich wurde so richtig ne, 90 Kilo waren gar nichts. Ja du lachst, ist echt war, ne. Dann habe ich  bis 75 Kilo wieder runter geschafft.“

 

UM:  „Das ist ne Leistung.“

 

JM:   „Da träumen andere von.“

 

UM:  „Und so in der Krankengymnastik, wie war das da, wenn die die Übungen mit dir gemacht haben?“

 

MM:  „Ja das war so Therapieübungen. .. Da wurde der Arm bewegt und äh ja ... und ein Arm wurde irgendwas da was gemacht.“

 

UM:  „Kannst du eigentlich die rechte Seite schon wieder gut fühlen, oder gar nicht?“

 

MM:  „Ja, kann ich.“

 

UM.:  „Wie ist das, wie fühlt sich das an? Wir kennen das ja nicht.“

 

MM:  „Wenn ich das genau wüsste. Also .. ich sage mal immer so, die linke Seite ist voll, jetzt ausgelastet und die rechte ist auf null. Aber äh, frag mich nicht, da kann ich den Arm bewegen da nicht. Oder, ich weiß nicht wie ich das erklären soll. Es ist irgendwie so`n so`n  .. Stück leeres Gefühl ..  und das nimmt nur Stück für Stück. Ich kann ja mal sagen, was die Ärzte gesagt haben. Die haben zu mir gesagt „Zehn Jahre“ .. und ich habe jetzt fünfeinhalb Jahre rum und bin dafür, glaube ich, schon ganz schön fit.“

 

UM:  „Wenn da die Ärzte einem sagen „So zehn Jahre werden Sie wieder brauchen“,  was denkt man denn da?“

 

MM: „Ja, das ist äh .. ist die erste Zeit die einen bis drei Jahre sind dann „Oh Mann, wann hört das endlich auf?“, „Wann kommt das endlich anders rum?“ oder .. „Man muss doch irgendwas sehen“, ne. Man sieht nichts äh ... den Fortschritt sieht man nicht, ne. Und dann das kommt erst nach und nach also, kann man sagen nach vier Jahren dann sieht man was. Aber dann .. man verlässt das dann, man denkt „Ah ja, das wird schon“, ne. Und erst mal „Oh Mann, wann wird das?“, ne. Und dann jetzt, da denkt man anders drüber, ..  mehr durchdachter oder irgendwie.“

 

JM:   „Du warst ja krank. Du hattest viel mit Ärzten und Therapeuten zu tun, ähm die dir helfen wollten. Hattest du das Gefühl, dass dir die Leute .. mh genug zugetraut haben?“

 

MM: „Ja das haben sie. Das sage ich jetzt im Nachhinein so, weil äh ich früher gedacht habe „Oh Mann, ich muss da hin“. Ich hab so`n gewissen Druck immer gehabt. Ich musste dann äh von Sprache zur Ergo und musste da aber die Treppen so runtergehen. Und nicht den den Rollstuhl nehmen äh da musste ich richtig die Treppe runtergehen, das war grausam. Aber ich muss sagen, das war gut.“

 

JM:   „In dieser Zeit, was war dir da am wichtigsten? Als du in der Reha warst?“

 

MM: „Wie ich in der Reha war war mir mit der Schlaf am wichtigsten. Ich bin abends um acht ins Bett gegangen um neun hab ich geschlafen. Dann hab ich durch gepennt bis morgens um halb sieben, und dann war ich wieder halbwegs fit. Und dann habe ich aber genauso zwischen eins und zwei auch wieder voll geschlafen.“

 

JM:   „Und in der Therapie, oder der (.) den Dingen die die Ärzte gemacht haben, was war dir da am wichtigsten? Was hast du von den anderen erwartet?“

 

MM: „Das wird, das kann ich nicht sagen äh also.  Erwartet hab ich gar nichts. Ich kann sagen äh, .. die haben praktisch von null angefangen und systematisch so aufgebaut.“

 

JM:   „Aber gab`s irgendwas, was du speziell von denen wolltest?"

 

MM: „Nee konnte ich ja nicht. Ich konnte ja nicht reden.“

 

JM:   „Aber du hast ja vielleicht was gedacht?“

 

MM: „Ja was gedacht, aber ich hab doch .. äh .. ich konnte was sagen, aber es kam nichts, ne....  Irgendwie so.“

 

JM:   „Was hättest du denn gesagt, wenn du hättest reden können?“

 

MM: „Ja, ne ganze Menge.“

 

JM:   „Und was?“

 

MM: „Ja, alles mögliche. Was der da macht, warum er es gemacht hat, äh wie was hat das für einen Zweck oder sonst irgend ..“

 

JM:   „Du wolltest also mehr Informationen wissen, was die machen. Das wusstest du nicht?“

 

MM: „Ja. Ich wusste gar nichts. ... Aber ich darum darauf gesagt .. mein war Erfolg, also.“

 

JM:   „Und wenn du hättest reden können, was hättest du den Ärzten und Therapeuten gesagt was dir am wichtigsten wäre, in der Therapie?“

 

MM: „Ich kann ja erst mal so sagen, wenn die, wär` mein .. Stand viel höher gewesen. Und äh ich hatte ja auch nicht die Sprache beeinflusst oder irgendwas, äh ich sag mal ein bischen beeinflusst. Aber ich könnte das sagen was ich wollte .. das wäre das wäre gekommen, ne. Aber wenn ich heute drüber nachdenke, äh muss ich sagen, es dauert länger bis es kommt. Es kommt zwar, aber .. es sind so zwei drei Sprünge und dann .. es geht nicht mehr so schnell wie früher.“

 

JM:   „Äh, wenn du gut also hättest sprechen können und die hätten gesagt „Herr Mewes, Sie haben jetzt drei Wünsche frei. Was wir machen können für Sie“. Was hättest denen du gesagt?“

 

MM: „Ffh, das ist ne schwere Frage. Ich weiß es nicht.“

 

JM:   „Versuchs.“

 

MM: „Ganz ehrlich, das kann ich nicht. Das äh .. wahrscheinlich nach meinen beiden Jungs gegangen, oder .. wären an erster Stelle gewesen. Und was ich sonst so gemacht hätte, ich weiß es nicht. Ich .. ich kann’s nicht sagen.“

 

JM:   „Wenn du beim Therapeuten hättest etwas bestellen können, so wie im Restaurant. Was hättest du gesagt? Was ist mir wichtig beim Logopäden?“

 

MM: „ ... “

 

JM:   „Keine Idee?“

 

MM: „Ne.“

 

JM:   „Ähm, die Ärzte und Therapeuten die haben dich ja lange Zeit gesehen, die haben ja viel mit dir zu tun gehabt, ne? Äh wenn du mal versuchst dich, .. du hast die ja kennen gelernt, dich mal versuchst in die hineinzuversetzen. Was denkst du, wie haben die dich wohl gesehen?“

 

MM: „Würde ich sagen, das haben sie ersten 18 Monate nicht so sehr, weil sich da gar nichts getan hatte. Aber .. jetzt wo se alles vier Wochen also bei Kur bei der Kur hingehe, sie sagen „Oh, das ist gut, das ist besser. Das ist gut, gut, gut.“ Und ja .. „

 

JM:   „Was meinst du, wenn die sich so in der Besprechung unter Kollegen unterhalten haben .. über dich, was meinst du haben die sich über dich erzählt?“

 

MM:  „ Äh .. ja .. das ist kann, da hänge ich auch wieder nicht drinne, weil äh .. ich weiß nicht. Die werden das bestmögliche gesagt haben, aber ähm .. ich weiß nicht.“

 

JM:    „Wie hättest du dich selbst beschrieben oder wie würdest du dich selbst beschreiben in dieser Zeit damals, was du konntest und wie du dich gefühlt hast?“

 

MM:  „Ich hab mich sehr gefühlt schlecht und mies. Das heißt ähm ... um wieder auf die Hand zu kommen oder den Fuß, ähm ..  ich hab das .. im Laufe der Zeit immer mehr es ändert sich ja gar nichts es tut sich ja nichts .. 18 Monate und äh es tut sich nichts. Das was mich bischen depressiv gemacht hat.“

 

JM:    „Wie war das mit der Sprache damals?“

 

MM:  „Ja das war .. da war kein Ton kam da raus.“

 

UM:   „Und wie hast du dich verständigt dann, mit den anderen?“

 

MM:  „Ja, mit den Händen und mit den Füßen und wie wir gerade so übrig blieb.“

 

JM:    „Und hattest du das Gefühl, dass ähm, die Leute, mit denen du dich mit Händen und Füßen äh gezeigt hast, das die dich immer verstanden haben?“

 

MM:  „Na ja, das weiß ich nicht, das glaube ich nicht. Ich habe zwar gedanklich habe ich .. in meinen Gedanken .. das gehabt das Ding, aber wie soll ich denen das verkaufen, ne? Ich weiß es nicht.“

 

JM:   „Woran konntest du denn merken in dieser Zeit, dass der andere dich verstanden hatte?“

 

MM: „Pffh.“

 

JM:   „Was war das, wo du sagen konntest „Ah, jetzt hat er es kapiert“?“

 

MM: „Ja, aber .. das mehr so. Ich hab mit dann mit der gesunden Hand auf das .. Ding auf das Haus äh ... auf das Teil gerade drauf ist also jetzt äh .. also mir tat mein Arm weh und dann bin ich damit zur Schwester und hab (zeigt mehrfach auf seinen Arm) ne, so. Ohne was zu sagen, und dann hat sie geguckt und „Ah ja, das ist ja ein Kratzer“ oder irgendwas, ne. So ungefähr.“

 

JM:   „Bei komplizierteren Dingen, wenn du z.B. mal wolltest, das jemand pff .. deinen Sohn anruft oder ..?“

 

MM: „Nee ja, ne das habe ich ja nicht gemacht und äh zweitens äh ich konnte es ja nicht sagen, das ist ... Ich muss dazu ganz ehrlich sagen, ich hätte versucht es aufzuschreiben..“

 

JM:   „Wenn du hättest schreiben können?“

 

MM:  „Ja, wenn ich hätte schreiben können. Wenn ich also die Sprache nicht hätte und ich hätte noch beide Hände, äh ich hätte es aufgeschrieben.“

 

JM:   „Kannst du sagen, wie du dich da gefühlt hast? Fällt dir da vielleicht ein Bild ein oder so was? Wie ging es dir da, als du den Gedanken hattest, hast du ja gesagt, aber das kam nicht raus?“

 

MM: „Wenn ich das so genau wüßte.“

 

JM:   „Fällt dir irgendein Wort ein dazu?“

 

MM:  „ .. ja war ich, ja es gibt ein Wort, aber äh es .. Es fing systematisch an äh. Wenn ich jetzt mal krass sage „Sie Arschloch“, dann habe ich öfters hintereinander gesagt. Und äh, dann frage ich mich äh, „Oh, was habe ich denn jetzt gedacht?“. Ich, was ...  ich denke, aber ich sage „Ich Arschloch“. Und weil das total durcheinander ist.“

 

JM:   „Aber du dachtest, du hättest es gesagt?“

 

MM: „Ja. Also ich äh ... machen wir mal so: Ich gehe ins in den Garten, aber gesagt habe ich „Ich Arschloch“.“

 

JM:   „Du hast gedacht du hast es gesagt oder hast du es gesagt?“

 

MM: „Hhh, ja wenn ich das so genau wüsste. Das is immer so`n .. da geht von rechts nach links .. und da und da und ich weiß nicht wie das ist, ne“

 

JM:   „Gab`s da noch mehr Situationen von, das du dachtest du hättest was gesagt und du dachtest es kam dann was ganz anderes, wo das alles durcheinander war?“

 

MM: „Is äh .. die Therapeuten sagen, wenn ich rein kam dann habe ich „Guten Tag“ gesagt. Es kann sein dass ich gesagt habe „Sie Arschloch“. .. Das ist dann der Nachteil dabei, ne.“

 

UM: „Kannste im Nachhinein auch nicht mehr sagen, ne?“

 

MM: „Nee, kann ich nicht. .. Also das ist wirklich .. wo ich drei Kreuze gemacht habe, dass de sagst das nicht mehr. Das war echt ey. Da kann man sagen halbes Jahr dreiviertel Jahr .. immer das gleiche Wort. Ah ne, das war echt peinlich.“

 

JM:   „Aber die Therapeuten haben dir da ja nun geholfen.“

 

MM: „Die haben mir da geholfen. Das war eben erst da so .. Beispiel gehabt a, b, c, d und so weiter. Und dann aa oder  bc und so, das wurde da so richtig zusammen gepackt.“

 

JM:   „Gab es etwas was du, was besonderes, was du von  den Sprachtherapeuten dabei wolltest? Was dir wichtig gewesen war?“

 

MM: „Ich muss da ganz ehrlich sagen die 18 Monate, ich sage heute, die liefen ganz gut ab ... Aber was .. das Einzelne .. das kann ich dir glaube ich dir nicht mehr sagen. Aber es kann genauso gut kommen, dass ich nächstes Jahr wieder komme und dann sage ich alles. Aber irgendwo gehen die hin und dann .. Es ist ja so, die Zellen sind ja alle noch drinne die ich früher gehabt habe. Aber die werden nur noch, da kommt dann einer, ich weiß nicht. Ich bin sehr zuversichtlich.“

 

JM:   „Zweitletzte Frage zur Zeit in der Reha hab ich noch. Ähm was war .. die Sache in der Reha, von der du denkst, das hat mir am meisten genützt?“

 

MM: „Äh a) kann ich sie nicht nutzen und b) ..“

 

JM:   „Nee, das war am besten in der Reha.“

 

MM: „Das war das die Werkstatt. Vor allen Dingen weil ich tun und lassen konnte was ich wollte.“

 

JM:   „Das war in anderen Situationen anders?“

 

MM: „Ja.“

 

JM:   „Warum, wie war das anders?“

 

MM: „Ja die haben ihre Mäppchen gehabt .. und dann .. wurde das gemacht, systematisch wurde das gemacht, ne. Alles nach Dienstschrift wurde das gemacht und eh da in der Werkstatt da kam ich rein und war .. „Ey bin ich wieder genervt“ so ungefähr, ne. Dann habe ich mich erst mal gesetzt und dann war ich eine Stunde da und .. dann habe ich dann irgendwas gemacht, was ich machen konnte und .. war locker das.“

 

JM:  „Jetzt hast du eben schon gesagt, was dir nicht so gut gefallen hat. Trotzdem noch mal die Frage: Welche Sache in der Reha hat dich denn am meisten da gestört in dieser Organisation?“

 

MM: „Die Küche.“

 

JM:   „Die Küche?“

 

MM: „Ja.“

 

JM:   „Ja o.k., das sind die Krankenhausgeschichten. Und in der Therapie, äh was hat dich da am meisten gestört?“

 

MM: „Therapie hat mir am meisten Spaß gemacht schon ..aber irgendwie.“

 

JM:   „Gibt es irgendeine Sache aus dieser therapeutischen Arbeit, die mit dir gemacht wurde, wo du sagen würdest, diese Sache, die hat mich am meisten gestört?“

 

MM: „Ja wie gesagt, die Küche, ne .. also sonst nichts.“

 

JM:   „ Das heißt, du hattest auch therapeutische Arbeit in der Küche?“

 

MM: „Ja aber ich konnte alles nur mit einer Hand abwaschen und mit einer Hand .. äh irgendwas, das war tierisch zum äh kotzen.“

 

JM:   „Und dann kam die Zeit nach der Reha, ne?“

 

UM:  „Wann hattest du denn das, das erste mal wieder das Gefühl, ja so einigermaßen klappt das wieder mit dem Sprechen und mit meiner Motorik, in der Hand und dem Fuß?“

 

MM: „Ich muss ja so sagen, ich habe sehr viel weiter gemacht und äh ich habe Ergo gemacht äh .. Ergo, Bobath und Sprache habe ich zweimal die Woche weiter gemacht. Und äh weil ich auch der Meinung war, dass ich äh viel mehr kann. Hab mich so auf meine Erinnerungen von früher gedacht, was habe ich alles gemacht, ne. Und jetzt wollte ich auch  .. äh ich will noch, ne so ungefähr.“

 

UM:   „Hast dir zugetraut, dass du das wieder schaffen kannst?“

 

MM.: „Ich will es schaffen, ja.“

 

UM:  „Ja, mmh.“

 

MM: „Das dauert zwar noch`n bischen und .. aber ich will es schaffen.“

 

UM:  „Und ähm, wann war so der erste Zeitpunkt, wo du gesagt hast, jetzt plötzlich, wie ein Durchbruch, ich kann meine Hand wieder zu was gebrauchen?“

 

MM: „Ne, das war ganz langsam.“

 

UM:  „Das kommt ganz langsam, mmh.“

 

MM: „Das ist, wenn ich das so zeige, das ist so, .. das geht noch nicht so richtig. Ich mache das mittlerweile so, dass ich jetzt alles auf rechts mache ... Fleisch schneiden oder nicht oder irgendwas. Und ich esse damit und äh es klappt. Und äh ich habe jetzt demnächst vor, hab ich wenn ich jetzt äh dann ein bischen Urlaub gemachen und dann werde ich mich mal mit der linken Hand auf den Rücken festbinden und jeden Tag sechs Stunden.“

 

JM:   „Wo haste denn die Idee her?“

 

MM: „Jaa, kleine Tips.“

 

Der Rest folgt ........ *Smile

 

 

Schlaganfall - Selbsthilfegruppe - Gehrden

Müssen Sie nach einem Schlaganfall, einer Hirnerkrankung

oder einem Unfall den Verlust der Sprache bewältigen ?

 

Wir sind eine Selbsthilfegruppe für :  Schlaganfall-Aphasie

 

 

Helfen Sie uns !!!      Helfen Sie Allen !!!     

 

WIRKEN AUCH SIE !!!

 

 

Sie sind herzlich eingeladen !!!

 

Mario Mewes

 

Schlaganfall-Selbsthilfegruppe-Gehrden

 

Schlaganfall, Hemiparese rechts, Amnestische Aphasie

 

Was ist ein Schlaganfall ?

 

Wichtig: Jeder Schlaganfall ist ein Notfall. Es gilt: "Zeit ist Hirn". Das heißt je schneller Helfer reagieren und den Patienten einer sachgerechten Versorgung zuführen, umso eher kann der Schaden minimiert werden. Zögern Sie also nicht, sofort beim Auftreten der Symptome eines Schlaganfalls bei Ihnen oder einer anderen Person den Rettungsdienst unter der Nummer 112 zu alarmieren!

 

Was passiert bei einem Schlaganfall im Körper ?

 

Ein Schlaganfall ist eine mehr als 24 Stunden anhaltende Störung der Gehirnfunktion aufgrund einer plötzlichen Minderversorgung eines Hirnbereichs mit Blut. Das bedeutet: Die grauen Zellen in einem bestimmten Gehirnbereich erhalten nicht mehr ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe. Sie drohen daher abzusterben. Je nachdem wie stark und wie lange die Durchblutung beeinträchtigt ist, kann das betroffene Gehirnareal seine Aufgabe entweder vorläufig oder dauerhaft nicht mehr erfüllen. Die sicht- oder spürbaren Folgen der beeinträchtigten Gehirnfunktion können zum Beispiel Probleme beim Sprechen, Lähmungen von Gliedmaßen, ein hängender Mundwinkel oder Sehstörungen sein.

Verschwinden diese Ausfälle sehr rasch oder zumindest innerhalb von 24 Stunden wieder, sprechen Mediziner von einer vorübergehenden (transistorischen) ischämischen Attacke (TIA). Man sollte aber beim Auftreten von Schlaganfallsymptomen auf keinen Fall abwarten, sondern auch bei einer TIA umgehend die 112 anrufen: Denn das Risiko für einen Schlaganfall ist nach einer TIA deutlich erhöht. Um Schlimmeres möglichst zu vermeiden, sollten sich die Betroffenen rasch in ärztliche Behandlung begeben.

Für die Störung der Durchblutung des Gehirns gibt es zwei Hauptursachen: In etwa 80 Prozent der Fälle sind Blutgefäße "verstopft", beispielsweise durch ein verschlepptes Blutgerinnsel (Embolus) oder aufgrund einer Gefäßverkalkung (Arteriosklerose). Dies bezeichnet man als ischämischen (weißen) Schlaganfall. Seltener ist der Schlaganfall durch eine Blutung im Gehirn verursacht (hämorrhagischer oder roter Schlaganfall).

 

Zahlen und Fakten

 

In Deutschland erleiden etwa 270.000 Menschen pro Jahr einen Schlaganfall. Mehr als 80 Prozent der Betroffenen sind über 60 Jahre alt. Doch auch Jüngere kann es treffen: Laut Schätzungen treten etwa fünf bis zehn Prozent der Schlaganfälle bei unter 50-Jährigen auf. Selbst Neugeborene und Kinder können einen Schlaganfall erleiden!

 

Symptome: Woran erkennt man einen Schlaganfall ?

 

Ein Schlaganfall kann - je nach betroffenem Gehirnareal und Schweregrad - ganz unterschiedliche Symptome zur Folge haben. Während beim einen Patienten ausschließlich der Mundwinkel etwas hängt, kann der andere schlagartig nicht mehr sprechen, sieht nichts mehr oder kann Arm und/oder Bein nicht mehr bewegen. Neben Sprach- und Sprachverständnisstörungen, Sehstörungen, Lähmungen und Taubheitsgefühlen, die typischerweise nur eine Körperhälfte betreffen, können auch ein plötzlich einsetzender, starker Schwindel, Gangstörungen oder seltener starke Kopfschmerzen auftreten. Mehr dazu lesen Sie im Kapitel Symptome.

 

Der weibliche Schlaganfall

 

Frauen erleiden - außer in der Altersgruppe der über 85jährigen – etwas seltener als Männer einen Schlaganfall. Aber sie sterben öfter daran. Dies wird auf verschiedene Ursachen zurückgeführt: So ist zum Beispiel das Erkrankungsalter im Durchschnitt höher, damit sind die Regenerationschancen geringer. Auch die Symptome können bei Frauen anders ausfallen, so dass die Diagnose eventuell erst später gestellt wird. Aufgrund der höheren Lebenserwartung leben zudem viele ältere Frauen allein, so dass häufig zunächst niemand den Schlaganfall bemerkt.

 

Folgen eines Schlaganfalls

 

Entscheidend, um die Folgen zu mildern, ist ein möglichst rascher Behandlungsbeginn. Bei mehr als der Hälfte der Personen, die einen Schlaganfall erleiden, ist nach einem Jahr noch eine unterschiedlich stark ausgeprägte Behinderung festzustellen. Laut den Ergebnissen einer Nachbefragung des Schlaganfallregisters Nordwest-Deutschland leben etwa 70 Prozent aller überlebenden Schlaganfall-  und TIA-Patienten drei Monate nach dem Ereignis relativ unabhängig zuhause.

An die akute Therapie im Krankenhaus schließt sich in der Regel eine Rehabilitation an. Für viele Schlaganfallpatienten heißt es nicht den Mut verlieren: Da das Gehirn auch bei Erwachsenen eine gewisse Plastizität besitzt, können sich die aufgetretenen Störungen und Behinderungen über Monate hinweg zurückbilden. Auch mehr als ein halbes Jahr nach einem Schlaganfall lassen sich unter Umständen noch weitere Verbesserungen erreichen.

Eine verständlicherweise häufige Schlaganfallfolge ist die Depression. Hier gilt es frühzeitig mit Medikamenten, die depressive Symptome wirkungsvoll lindern helfen – sogenannten Antidepressiva – einzugreifen. Studien zeigen, dass eine frühzeitige medikamentöse Behandlung der Depression günstigere Voraussetzungen für eine Rehabilitation schafft und damit das Behandlungsergebnis verbessert.

 

Erste Maßnahmen bei einem Schlaganfall

 

Wenn Sie bei sich oder einer anderen Person den Verdacht auf einen Schlaganfall haben, alarmieren Sie umgehend den Rettungsdienst. Denn ein Schlaganfall kann tödlich sein und jede Minute zählt! Wählen Sie die 112, äußern Sie Ihren Verdacht, schildern Sie die Symptome und warten Sie anschließend die Rückfragen der Leitstelle ab. Falls außer Ihnen weitere Personen zugegen sind, können Sie diese Aufgabe auch jemandem übertragen, während Sie erste Hilfe leisten.

Lassen Sie den Betroffenen möglichst nicht alleine, sprechen Sie mit ihm und beruhigen Sie ihn. Wenn er bei Bewusstsein ist, sollten Sie ihn auf dem Rücken und mit leicht erhöhtem Oberkörper (circa 30°, zum Beispiel durch ein Kissen im Rücken) lagern. Ist er bewusstlos oder erbricht er, legen Sie ihn stattdessen in die stabile Seitenlage. Überprüfen Sie regelmäßig Atmung und Puls! Falls Sie keine Atmung oder keinen Herzschlag feststellen können, beginnen Sie sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Geben Sie dem Betroffenen nichts zu trinken und zu essen, da seine Schluckfunktion gestört sein könnte. Falls Zahnprothesen die Atmung behindern könnten, nehmen Sie sie heraus. Öffnen Sie gegebenenfalls beengende oder einschnürende Kleidung.

Nach dem Eintreffen wird sich der Rettungsdienst oder Notarzt um den Patienten kümmern und ihn - falls sich der Verdacht auf einen Schlaganfall bestätigt - in die Klinik transportieren.

 

Schlaganfall - Rehabilitation mit Bobath

 

 

Seniorin, Hanteln

 

 

Nach einem Schlaganfall funktionieren bestimmte Bereiche des Gehirns nicht mehr, die für die Steuerung der Bewegung verantwortlich sind. Hinken, ein gelähmter Arm oder schiefe Gesichtszüge können die Folgen sein. Gesunde Gehirnteile können die Aufgaben jedoch übernehmen. Sie versuchen automatisch, die Defizite auszugleichen und Aufgaben der gelähmten Seite zu übernehmen - statt wie früher mit rechts, greift der Patient mit links zu.

 

Neu lernen ...

 

 

Das Bobath-Konzept setzt darauf, Bewegungen neu zu erlernen - wie ein Kind. Das Gehirn soll die infolge des Schlaganfalls "abgeschalteten" Körperzonen neu entdecken. Durch beharrliche Förderung und Stimulation lässt sich die gelähmte Körperpartie oft schrittweise reaktivieren. Das Gehirn organisiert sich um, und gesunde Hirnteile übernehmen nach und nach die Steuerung.

Wenn die Bobath-Therapie frühzeitig beginnt und konsequent verläuft, bestehen gute Chancen, dass sich die Bewegungsfähigkeit verbessert oder sogar ganz wiederherstellen lässt. Wie gut sich die motorischen Fähigkeiten durch die Rehabilitation verbessern lassen, hängt jedoch davon ab, wie stark das Gehirn durch den Schlaganfall geschädigt wurde. Das Bobath-Konzept ist eines der weltweit am häufigsten angewendeten Rehabilitations-Maßnahmen zur Behandlung von Halbseitenlähmungen nach Schlaganfall.

 

 

Üben, üben, üben ...

 

 

Therapeut und Patient trainieren während der Rehabilitation das Zusammenspiel von Sinnesorganen und Muskeln. Durch gezielte, äußere Reize erlernt der Patient nach einem Schlaganfall die natürlichen Haltungs- und Bewegungsmuster neu. Die erkrankte Körperseite wird bei allen Übungen voll einbezogen und unterstützt.

Das Prinzip ist: Nicht den Patienten füttern, sondern mit ihm gemeinsam den Löffel zum Munde führen. So wird für ihn der Erfolg der Übung direkt spür- und sichtbar. Auch Gleichgewichtsübungen und ein Training zur Rumpf- und Kopfkontrolle machen die durch den Hirninfarkt verloren gegangenen Bewegungsabläufe wieder verfügbar. Die ständige Wiederholung festigt die Verknüpfung neuer Nervenbahnen.

 

 

Klare Therapieziele ...

 

 

Die Methode entwickelten die Physiotherapeutin Berta Bobath und ihr Mann, der Neurologe Karl Bobath, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Ziele bei der Rehabilitation nach der Bobath-Methode sind:

  • Gelähmte und gesunde Körperseite gleichzeitig fördern
  • Normale Bewegungsabläufe im Alltag üben
  • Verkrampfte und abnorme Haltungs- und Bewegungsmuster vermeiden
  • Sensibilität stimulieren
  • Schmerzen und Muskelverkürzungen (Kontrakturen) verhindern
  • Selbständigkeit und Sicherheit im Alltag erhöhen

 

 

Therapie rund um die Uhr ...

 

 

Der Behandlungserfolg der Rehabilitation nach der Bobath-Methode hängt stark vom Grad der Gehirnschädigung ab. Außerdem davon, ob ein Schlaganfall, eine Hirnverletzung oder ein Tumor die Ursache ist. Die Rehabilitation nach einem Schlaganfall erfordert größte Konsequenz und Disziplin: Der Behandlungserfolg steht auf dem Spiel, wenn die Patienten ihre motorischen Defizite mit der gesunden Körperseite kompensieren - was zunächst einfacher erscheint. Dies verhindert, dass sich zwischen den Nerven neue Verknüpfungen bilden und sich die gelähmten Muskeln wieder bewegen lassen. Die Bobath-Methode beschränkt sich daher nicht auf Therapiesitzungen, sondern soll 24 Stunden am Tag zum Einsatz kommen.

Während der Rehabilitationsphase müssen alle Beteiligten - Ärzte, Pfleger und Angehörige - an einem Strang ziehen und sich eng miteinander abstimmen. Vor allem der Schlaganfall-Patient muss engagiert mitarbeiten und auch Zeiten spärlicherer Erfolge durchstehen. Die Chancen, die Lähmungen dann ohne lebenslange Spuren zu überwinden, sind gut.

 

 

Logopädie

 

Die Logopädie beschäftigt sich mit der Diagnose und Behandlung von Sprach-, Sprech-, Stimm-, Schluck- und Hörstörungen. Damit wollen Logopädinnen und Logopäden die Kommunikationsfähigkeit ihrer Patienten verbessern

 
Logopädin
Oft arbeiten Logopädinnen bereits mit Kindern 
 

 

Säuglinge mit Ess- und Trinkschwierigkeiten, Kinder mit Problemen beim Spracherwerb, Menschen, die nach einem Schlaganfall das Sprechen wieder lernen müssen – das Spektrum der Patienten, die von einer logopädischen Behandlung profitieren, ist breit gefächert. Und es erstreckt sich über alle Altersgruppen. Gut 10.000 Logopädinnen und Logopäden arbeiten derzeit in Deutschland – in Krankenhäusern, Reha-Kliniken, bei niedergelassenen Ärzten, in Schulen für sprach- und hörgeschädigte Kinder oder in ihrer eigenen Praxis. Etwa die Hälfte arbeitet angestellt, die andere Hälfte selbstständig. Der überwiegende Anteil sind Frauen.

 

 

Geschichte der Logopädie

 

Logopädie bedeutet wörtlich übersetzt Sprecherziehung. Emil Fröschels führte den Begriff 1924 offiziell in den medizinischen Fachjargon ein und rief im gleichen Jahr die internationale Gesellschaft für Logopädie und Phoniatrie ins Leben. Der Wiener Arzt gilt als einer der Gründer der „Sprachheilkunde“, wie man bis dato sagte. Schon damals forderte Fröschels, Logopädie als eigenständige Ausbildung mit akademischer Abschlussprüfung einzuführen. Doch erst 56 Jahre später, am 1. Oktober 1980, wurde eine Ausbildungs- und Prüfungsordnung per Gesetz verabschiedet – und der Beruf der Logopädin bzw. des Logopäden somit auch offiziell eingeführt.

 

Logopädin
Die Logopädin trainiert mit der Patientin die Motorik des Mundes 
 

Was ist Logopädie ?

 

Die Logopädie ist ein medizinisch-therapeutisches Fachgebiet, das sich mit Funktionen und Funktionseinschränkungen von Sprache und Sprechen im weitesten Sinne befasst. Das beinhaltet in erster Linie die Therapie von Menschen, die unter einer der vielen verschiedenen Formen von Sprach-, Sprech-, Stimm- und Hörstörungen leiden, und dadurch in ihrer Kommunikationsfähigkeit eingeschränkt sind. Darüber hinaus behandeln Logopäden auch Patienten mit Schluckstörungen.

Ebenso vielfältig wie die Störungsbilder sind die Behandlungsmethoden, um die Kommunikationsfähigkeit und das Schluckvermögen zu verbessern. Dabei arbeiten Logopäden aber nicht mit Medikamenten. Sie verwenden stattdessen beispielsweise Übungen zur Verbesserung der Artikulation, der Atmung und Stimmgebung und des Sprechflusses. Außerdem führen sie Wortschatz-, Wortfindungs- und Grammatikübungen sowie Dialogübungen durch. Ebenfalls vermitteln sie Kommunikationstechniken, und sie benutzen Biofeedback-techniken und Computerprogramme.

Darüber hinaus beraten sie Eltern und andere Angehörige, und sie nehmen logopädische Präventionsmaßnahmen vor.

 

Das passiert beim Schlucken
Schlucken ist ein komplexer Vorgang. Nach einem Schlaganfall ist er oft gestört 
 

Welche Anwendungsgebiete hat die Logopädie bei Erwachsenen ?

 

Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen sind bei Erwachsenen oft durch Schädigungen des Gehirns bedingt. Also durch einen Schlaganfall, ein Schädel-Hirn-Trauma, einen Tumor oder degenerative Erkrankungen wie Parkinson und Multiple Sklerose. Darüber hinaus gibt es aber noch viele andere Krankheiten, die das Sprach- und Sprechvermögen beeinträchtigen können. Zu den wichtigsten und häufigsten logopädisch behandelten Störungsbildern gehören:

  • Aphasie: Bei der Aphasie handelt es sich um eine durch Hirnschäden verursachte, so genannte zentrale Sprachstörung. Charakteristisch ist, dass alle Bereiche der Sprache betroffen sind, wenn auch in unterschiedlichen Ausmaß: Sprechen, Sprachverständnis, der Abruf von Worten, die Grammatik, das Lesen und das Schreiben.
  • Sprechapraxie
: Wie die Aphasie ist Sprechapraxie ebenfalls neurologisch bedingt und tritt auch oft mit ihr gemeinsam auf. Bei den betroffenen Patienten ist die Planung der zum Sprechen notwendigen Bewegungsmuster gestört. Deshalb lassen sie Laute aus, fügen welche hinzu oder sagen sie in der falschen Reihenfolge. Zudem sind Sprechmelodie und -rhythmus verändert, so dass die Aussprache oftmals nur schwer verständlich ist.
  • Dysarthrien (Sprechstörungen)
: Patienten mit einer Dysarthrie sprechen gepresst, undeutlich und verwaschen – bis hin zur Unverständlichkeit. Ursache ist eine gestörte Sprechmotorik, entweder in Folge von Krankheiten wie dem Morbus Parkinson oder bedingt durch Verletzungen der fürs Sprechen zuständigen Nerven und Muskeln. Wenn zudem noch die Atmung und die Stimmbildung im Kehlkopf beeinträchtigt sind – was häufig vorkommt – sprechen Fachleute von einer Dysarthrophonie.
  • Dysphonien (Stimmstörungen): Heiserkeit und Räusperzwang sind die typischen Anzeichen einer funktionellen Dysphonie. Die Symptome entstehen, weil die Betroffenen ihre Atmung und ihren stimmbildenden Kehlkopf beim Sprechen falsch oder zumindest nicht ökonomisch genug einsetzen. Aber auch Entzündungen, Lähmungen und bösartige Tumoren können dazu führen, dass die Stimmgebungsorgane nicht mehr richtig funktionieren, bis hin zum Ausfall der Stimme. In diesem Fall handelt es sich um eine organische Dysphonie.
  • Dysphagie (Schluckstörung)
: Besonders häufig ist der Schluckakt nach einem Schlaganfall behindert. Weitere mögliche Auslöser einer Dysphagie sind Operationen und Bestrahlungen von bösartigen Tumoren im Bereich des Halses und des Mundes. Je nach Ausmaß erschweren Schluckstörungen die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme oder machen sie sogar ganz unmöglich.

 

Hörtest
 
 

Welche Anwendungsgebiete hat die Logopädie bei Kindern und Jugendlichen ?

 

Wenn Kinder und Jugendliche eine logopädische Behandlung benötigen, kann das genau wie bei Erwachsenen viele verschiedene Gründe haben. Dazu gehören beispielsweise:

  • Sprachentwicklungsstörungen
: Erst einzelne Wörter, dann kurze Sätze, mit drei bis vier Jahren die Grundprinzipien der Grammatik begreifen – Sprechen und Sprachverständnis entwickeln sich bei Kindern nach einem bestimmten Schema. Die einzelnen Schritte sollten dabei innerhalb einer gewissen Zeitspanne vollzogen sein. Dieser Prozess läuft bei einer Sprachentwicklungsstörung verzögert ab. Außerdem haben Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen ein erhöhtes Risiko, eine Lese-Rechtschreib-Schwäche zu entwickeln.
  • Artikulationsstörung: Bekanntestes Beispiel für eine Artikulationsstörung ist das Lispeln. Dabei haben die Kinder Schwierigkeiten, das S auszusprechen. Die für eine Artikulationsstörung charakteristischen Lautfehlbildungen können aber auch andere Laute betreffen. 
Lispeln geht häufig mit einer Schwäche der Muskulatur im Mundbereich einher (sogenannte myofunktionelle Schwäche). Deshalb tritt es öfter gemeinsam mit einem abweichenden Schluckmuster bei den Kindern auf.
  • Stimmstörungen: Wie bei Erwachsenen erstrecken sich die Symptome, unter denen Kinder mit einer Stimmstörung leiden, über eine heisere, raue Stimme bis hin zum Stimmausfall.
  • Hörstörungen
: Wenn Kinder schlecht oder gar nicht hören können, verzögert das sehr oft die Sprachentwicklung: Sowohl die Fähigkeit zu Sprechen, als auch die Konzeptbildung und das Sprachverstehen sind häufig betroffen. Da die Probleme als Folge einer anderen Erkrankung – in diesem Fall einer Hörstörung – entstehen, spricht man im Fachjargon dann von einer sekundären Sprach- und Sprechstörung.
  • Funktionsstörungen im Mund- und Gesichtsbereich
: Betroffen sind zum Beispiel Kinder mit angeborenen Fehlbildungen wie einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte. Darüber hinaus beeinträchtigen auch Fehlfunktionen der am Sprechvorgang beteiligten Muskeln – bedingt etwa durch Zahnfehlstellungen oder Kieferanomalien – die Aussprache.
  • Störungen des Redeflusses
: Störungen des Redeflusses machen sich durch Laut-, Silben- und Wortwiederholungen bemerkbar. Bekanntestes Beispiel ist das Stottern, unter dem nicht selten auch Erwachsene leiden.

 

Musizieren
 

Wie läuft eine logopädische Behandlung ab ?

 

Am Anfang einer logopädischen Behandlung – sei es im Krankenhaus, der Reha-Klinik oder ambulant in einer Praxis – steht immer eine ausführliche Diagnostik. Mit verschiedenen Tests untersucht der Logopäde, welcher Bereich der Sprache beeinträchtigt ist und in welchem Ausmaß. Zusammen mit dem ärztlichen Befund und den Ergebnissen von Voruntersuchungen bilden die Tests die Grundlage für das Therapiekonzept, das der Logopäde für jeden Patienten individuell erarbeitet.

Dabei greifen Logopäden auf ein breites Spektrum von Behandlungsmethoden zurück. Es reicht von spezifischen Sprachübungen, Erarbeitung bestimmter Sprech-, Stimm- und Schlucktechniken, Atemübungen, motorischen Techniken und Bewegungstherapien, über das Nachsingen von Tönen und Liedern bis hin zur Arbeit mit speziellen Computerprogrammen. Ein wesentlicher Bestandteil der logopädischen Behandlung ist, Patienten und Angehörige eingehend zu beraten – sowohl über Ursachen und Auswirkungen ihrer Störung als auch über die notwendigen therapeutischen Maßnahmen – und wenn möglich auch eine Anleitung zum Eigentraining zu geben.

Das ist nicht zuletzt deshalb wichtig, weil eine logopädische Behandlung oft lange Zeit dauert und vom Patienten und seinen Angehörigen viel Geduld und Eigeninitiative erfordert. Wie schnell der gewünschte Behandlungserfolg erreicht ist, hängt von mehreren Faktoren ab: Beispielsweise von den therapeutischen Zielen, Art und Schweregrad der Störung und der  Mitarbeit des Patienten. Doch auch wenn es länger dauert, mit der Logopädie gelingt es fast immer, die Beschwerden der Betroffenen zu beheben oder zumindest zu verbessern.

 

Was ist Aphasie?

 

Sprachlos - von Aphasie betroffen

 

Plötzlich nicht mehr sprechen zu können, ist die schreckliche Erfahrung, die ein Aphasiker durchmacht.

Aphasie ist die Folge einer Schädigung der linken Hirnhälfte. Jeder kann durch einen Schlaganfall, (Hirninfarkt, Hirnblutung) oder durch einen Unfall eine Aphasie erleiden.

Aphasie bedeutet "Verlust der Sprache".

Aphasiker haben meistens ihre Sprache nicht völlig verloren. Aphasie ist vielmehr eine Sprachstörung, die in unterschiedlichen Formen und Schweregraden auftritt.

Aphasie hat nichts mit geistiger Behinderung oder psychischer Störung zu tun. Die Aphasie verändert nur die Fähigkeit, sich mit Sprache auszudrücken und Sprache zu verstehen. Oft ist die Fähigkeit beeinträchtigt, mit Zahlen umzugehen (Dyskalkulie) oder Zahlwörter werden verwechselt.

Für einen Nichtbetroffenen ist es schwer sich vorzustellen, dass die Sprache gestört, aber das Denken und die Fähigkeit zur Kommunikation ohne Sprache noch erhalten ist (Dr. Luise Lutz).

"Die Sprache zu verlieren ist grausam...
und berührt die persönliche Würde."
Bundespräsident Roman Herzog, Sept. 1996

Häufige zusätzliche Behinderungen:

  • Halbseitige Lähmungen (meist rechts)
  • Sehbehinderungen (Hemianopsie)
  • Reizbarkeit und Gefühlsschwankungen
  • Krampfanfälle

Störungen:

  • der Körperwahrnehmung (Sensibilität)
  • der Sprechmotorik (Dysartrie)
  • der Bewegungsplanung (Apraxie)
  • des sprachlichen Gedächtnisses und der Konzentration
  • des Antriebs

Aphasie ist keine seltene Behinderung

Man schätzt, dass jährlich 80.000 Menschen in Deutschland neu an dieser Sprachstörung erkranken
(über 80% durch Schlaganfall).
Nur wenige haben die Chance, alle Störungen völlig zu überwinden.

Aphasiker

  • haben Schwierigkeiten ihre Gedanken und Gefühle auszudrücken
  • erkennen oft nicht, dass ihre Worte nicht ihren Gedanken entsprechen
  • verstehen zum Teil Gehörtes nicht oder erkennen Geschriebenes nicht richtig
  • können häufig nicht mehr schreiben und oft nicht mehr rechnen
  • müssen Tätigkeiten mit der linken Hand neu erlernen

Umgang mit Aphasie

Für Aphasiker

  • Auch Ihre Gesprächspartner sind von der Aphasie betroffen. Haben Sie Geduld mit Ihnen.
  • Verhören ist möglich. Prüfen Sie: "Habe ich wirklich alles verstanden?"
  • Zeigen Sie sofort an, wenn Sie etwas nicht verstehen! Ihre Gesprächspartner können nicht immer erkennen, ob Sie alles verstanden haben.
  • Achten Sie auf Ihren Zuhörer! Halten Sie Augenkontakt. Prüfen Sie: Weiß mein Zuhörer, worüber ich spreche?

Für Nichtaphasiker

1. Das Schweigen verstehen

  • Zuhören bedeutet: Warten! Der Aphasiker braucht mehr Zeit für seine Äußerung.
  • Sprechen steckt an! Das, was der Aphasiker sagt, wird häufig vom Gesprächspartner beeinflußt. Nicht zu früh mit Wortvorschlägen helfen!
  • Mit dem Herzen hören! Darauf achten, ob die Absicht des Aphasikers verstanden wurde.
  • Eselsbrücken benützen! Ein Wort, das nicht paßt, nicht verwerfen - es könnte zum beabsichtigten Wort hinführen.
  • Die Dinge sprechen lassen! Mitdenken und genaues Beobachten der Situation helfen beim Verstehen.
  • Das Thema suchen! Gemeinsam mit dem Aphasiker herauszufinden versuchen, worauf sich seine Aussage bezieht - er kann das Thema oft nicht äußern.
  • Durch die Sprache hindurchhören! Bei unverständlichen Äußerungen nicht ständig unterbrechen, abwarten, daß sich der Sinn nachträglich ergibt.
  • Nur auf den Inhalt achten - die Form übersehen! Nicht ständig verbessern!
  • Nachsprechen ist keine echte Kommunikation! Nicht auf sprachliche Äußerungen bestehen, auch "Nicht-sprachliche " akzeptieren.
  • Konzentrieren hilft nicht! Schlüsselsatz: "Vielleicht kannst Du es später sagen!"
  • Bei Perseverationen ablenken. Bei hartnäckigen Wortwiederholungen unterbrechen und ablenken.
  • Nicht aufgeben! Schlüsselsatz: "Wir werden es herausfinden - fang nochmal an!"

2. Das Verstehen erleichtern

  • Ruhe ist wichtig. Hintergrundgeräusche stören das Verstehen. Zweiergespräche sind leichter als Gruppengespräche.
  • Nonverbale Signale setzen. Neben Tonfall, Mimik und Körpersprache auch Schrift und Bild einsetzen.
  • Lautstärke nicht erhöhen. Ruhig, nicht zu schnell, aber natürlich und in normaler Lautstärke sprechen.
  • Den Wortlaut variieren. Bei Nichtverstehen andere Formulierungen wählen.
  • Kürze kann helfen. Je nach den individuellen Möglichkeiten der Aphasiker nach kürzeren Abschnitten, Satztielen / Sätzen / kurzen Passagen, Pausen einlegen.
  • Ja / Nein - Fragen bevorzugen. Offene Fragen und Alternativ - Fragen sind oft zu schwer.

Über Aphasie ("Sprachverlust")

Wer seine Sprache verliert, verliert seine Umgebung,
wer seine Umgebung verliert, verliert sich selbst.

Stellen Sie sich vor, Sie gehen heute Abend müde, aber zufrieden ins Bett, schlafen ohne Probleme ein - und wenn Sie morgen früh aufwachen, sind Sie so verwandelt wie Gregor Samsa in der Kafka-Erzählung "Die Verwandlung": Sie liegen wie ein hilfloser Käfer auf dem Rücken, Ihre rechte Seite ist unbeweglich. Sie könne sich nicht drehen und nicht aufstehen. Ihre Familie steht erschreckt um Sie herum. Sie erklären, was los ist- aber niemand hört Ihnen zu - man versteht Sie nicht. Und Sie merken, dass die anderen eine Sprache sprechen, die Sie nicht verstehen. Sie haben Schmerzen, Ihnen ist übel, Sie müssen dringend ins Bad - aber Sie haben Probleme, den anderen klarzumachen, weder mündlich, noch schriftlich, noch durch Gesten. Sie fühlen sich ausgeschlossen, sind total einsam und hilflos, und Sie wissen nicht wie Sie in diesen Zustand hineingeraten sind und ob er je wieder aufhört.

Kafkas Schreckensvision ist nicht so absurd, wie sie auf den ersten Blick erscheint. Jedes Jahr werden
80 000 Menschen von solch einem Schicksalsschlag getroffen: Durch eine Verletzung der linken Hirnhälfte bei einem Schlaganfall verlieren sie die Fähigkeit, mit Sprache umzugehen.

 

Geben Sie nicht auf!


 

Für alles möglich

Celine Becker
Maurice Becker
Myles Fabrice Mewes
Maike Michaela Mewes
Steve Maurice Mewes
Christian Mewes
Daniela Mewes
Mario Mewes
zum zweiten ... ;-))
Niedersachsen
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